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Lohnen sich Staatsanleihen mit langer Laufzeit als Geldanlage?

Lohnen sich Staatsanleihen mit langer Laufzeit als Geldanlage?
Lohnen sich Staatsanleihen mit langer Laufzeit als Geldanlage? - Foto: © studio v-zwoelf #612208714 - stock.adobe.com

Staatsanleihen, die sogenannten Bonds, mit einer Laufzeit von 30 Jahren haben in vielen Ländern mit Renditen von mehr als vier Prozent langjährige Rekordhochs erreicht. Für Privatanleger, die ihr Geld auf lange Sicht für sich arbeiten lassen möchten, kann das attraktiv erscheinen. Wer in französische, italienische und andere Staatsanleihen mit langer Laufzeit investieren möchte, sollte jedoch einiges beachten.

Hohe Renditen für Staatsanleihen mit langer Laufzeit

In Frankreich liegen die Renditen für 30-jährige Staatsanleihen bei 4,4 Prozent. Die Nachfrage nach einer solchen Anleihe ist mitunter doppelt so hoch wie das Angebot. Der Grund für diese langjährigen Hochs ist die Diskussion um die steigende Staatsverschuldung.

Noch höher als in Frankreich sind die Renditen für langjährige Staatsanleihen in Italien, aber auch in den USA mit 4,7 Prozent und in Großbritannien mit 5,7 Prozent. In Deutschland betragen die Renditen knapp 3,3 Prozent, in Spanien etwas mehr als vier Prozent.

Trotz dieser hohen Renditen ist Michael Weidner, der bei Lazard Asset Management als Co-Chef für globale Anleihen tätig ist, vorsichtig.

Er ist der Meinung, dass zu einem ausgewogenen Portfolio auch Anleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren gehören, doch werden bei Lazard Asset Management nur wenige gehalten. Der Anleihenspezialist geht davon aus, dass bei den Anleihen mit langer Laufzeit die Kurse weiter fallen. Im Gegenzug steigen die Renditen weiter an.

Michael Weidner begründet seine Skepsis mit der globalen Diskussion um die Schuldentragfähigkeit vieler Staaten, die in seinen Augen berechtigt ist. Diese Diskussion wird sich fortsetzen und weiterhin Druck auf die Anleihekurse ausüben.

Hohe Renditen für Staatsanleihen mit langer Laufzeit
Hohe Renditen für Staatsanleihen mit langer Laufzeit – Foto: © Westlight #630308483 – stock.adobe.com

Schwieriges Timing bei langjährigen Anleihen

Das Timing ist bei langjährigen Anleihen immer schwierig, sodass auch Anleger, die Kursschwankungen während des Anlagezeitraums ignorieren können und ihre Anleihen bis zum Fälligkeitstermin halten, noch attraktivere Einstiegszeitpunkte finden könnten. Es ist schwierig, den richtigen Zeitpunkt für den Einstieg zu finden.

Solche Anleihen mit langer Laufzeit werden zumeist von professionellen Investoren erworben, zu denen Versicherer zählen. Sie halten die Anleihen oft bis zur Fälligkeit, da ihre Auszahlungsverpflichtungen häufig langfristig sind, wie das bei Lebensversicherungen der Fall ist. Der Portfoliomanager bei Signal Iduna Asset Management, Patrick Schmidt, sagt, dass für viele Versicherer bereits Renditen von mehr als drei Prozent genügen, wie sie bei 30-jährigen Bundesanleihen gewährt werden.

Laut Signal Iduna Asset Management sollten Versicherer Anleihen aus anderen Euro-Ländern nur begrenzt beimischen. Wechselkurse könnten ein Problem bei Anleihen aus Großbritannien und Frankreich sein. Sie machen die tatsächlichen Renditen weniger kalkulierbar.

Dieses Wechselkursrisiko entfällt für deutsche Anleger bei Anleihen aus dem Euro-Raum. Auch für Buy-and-Hold-Investoren, also für diejenigen, die kaufen und während der gesamten Laufzeit halten, gibt es die zum Kaufzeitpunkt zugesagte Rendite nur, wenn der Schuldner zahlungsfähig bleibt. Anleger können nicht darauf vertrauen, dass die Euro-Länder solvent bleiben. Ein Beispiel dafür ist Griechenland, das 2011 einen Schuldenschnitt machte und insgesamt 107 Milliarden Euro abschreiben musste.

Schwieriges Timing bei langjährigen Anleihen
Schwieriges Timing bei langjährigen Anleihen – Foto: © Westlight #702852078 – stock.adobe.com

Steigende Risikoprämien in Frankreich

Die Frage ist, ob solche Staatspleiten wie in Griechenland künftig auch andere EU-Länder treffen könnten. Die Anleihemärkte in Frankreich und Italien gelten gegenwärtig als am stärksten gefährdet, was an den Renditeaufschlägen erkennbar ist. Bei diesen Renditeaufschlägen handelt es sich um Risikoprämien. Solche Aufschläge betragen bereits für Anleihen aus Frankreich und Italien mit zehnjähriger Laufzeit ungefähr 0,8 Prozent. Sie sind so hoch wie in kaum einem anderen Land.

Diese Risikoprämien lagen während der Griechenland-Pleite in Frankreich bei knapp 1,9 Prozentpunkten und in Italien bei 5,5 Prozentpunkten. Sie waren damals noch deutlich höher. Die beste Möglichkeit, um das Risiko einzuschätzen, ist der Renditevergleich für zehnjährige Anleihen. Mit einer solchen Laufzeit haben die Staaten die meisten Anleihen ausstehen.

Bereits seit mehr als einem Jahr steigen die Risikoprämien für französische Anleihen.

In anderen Euro-Ländern sinken sie im Gegensatz dazu. Das zeigt, dass eine Staatspleite in Frankreich in absehbarer Zeit nicht auszuschließen ist. Michael Weidner von Lazard Asset Management geht dennoch davon aus, dass Frankreich als zweitgrößte Volkswirtschaft der Europäischen Union auch langfristig seine Schulden bedienen kann.

Frankreich ist nicht vergleichbar mit Griechenland, das nur eine kleine Volkswirtschaft ist. Frankreich hat ein Ausgabenproblem und kein Wachstumsproblem. Die industrielle Substanz ist groß. Anders sieht es in Italien aus. Das Haushaltsdefizit sinkt dort, doch die Verschuldung ist insgesamt hoch.

Anleihen mit 30-jähriger Laufzeit für Privatanleger

Privatanleger sollten nur dann in Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren investieren, wenn sie ihr Geld über einen so langen Zeitraum entbehren können. Die Anleihekurse schwanken umso stärker, je länger das Kapital gebunden ist. Bei Anleihen mit Laufzeiten von mehr als zehn Jahren ist in der Zwischenzeit mit zweistelligen Kursverlusten zu rechnen.