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Diabetesforschung der Zukunft – Neue Blutzuckersenker in Aussicht

Diabetesforschung der Zukunft
Diabetesforschung der Zukunft - Neue Blutzuckersenker in Aussicht

Der Anteil an Diabetikern vom Typ 2 steigt weltweit unaufhörlich an. Deshalb forschen Wissenschaftler an Methoden, um den gefürchteten Langzeitfolgen der Zuckerkrankheit entgegenzuwirken. Nun nahm ein Diabetes-Forscher zu der Frage Stellung, welche Erleichterungen und Verbesserungen die Wissenschaften in den nächsten zehn Jahren zu bieten hat.

Eine hohe Belastung für den menschlichen Stoffwechsel

Gaumenfreuden wie Currywurst, Pommes, Pizza oder Spaghetti Bolognese stehen bei vielen Menschen auf dem Speiseplan weit oben. Allerdings sind diese Speisen für den menschlichen Stoffwechsel eine große Herausforderung.

Der Körper wird von Energie- und Zuckerschwemmen durchströmt, die der menschliche Organismus nur schwer verarbeiten kann.

Fettzellen vergrößern sich. Im Blut herrscht ein hoher Zuckerpegel vor. Auf Dauer ist die Bauchspeicheldrüse damit überfordert, das zuckerabbaubende Insulin zu produzieren. Diesem Problem nimmt sich die Medizin zunehmend an. Nach aktuellen Statistiken wird bis zum Jahr 2040 jede zehnte Person an Diabetes Typ 2 erkrankt sein. Deshalb äußerte sich Diabetologe Thomas Forst vom Profil-Institut für Stoffwechselforschung in Mainz nunmehr über die Zukunft der Diabetes-Therapie.

Diabetikerin
Nach aktuellen Statistiken wird bis zum Jahr 2040 jede zehnte Person an Diabetes Typ 2 erkrankt sein

Neue Methoden der Zuckermessung

Klassische Blutzuckermessgeräte sind aktuell darauf ausgelegt, den Glukosegehalt des Bluts mit einem Piekser in den Finger zu ermitteln. Es bildet sich ein Blutstropfen, der über den Glukosegehalt im Moment der Messung Aufschluss gibt. Doch dieses System wird schon bald durch andere Methoden ersetzt.

Zukünftig nimmt eine kleine im Unterhautfettgewebe eingelegte Sonne eine permanente Messung des Blutzuckerspiegels vor. Hierbei wird der Glukoseverlauf über ein Gerät dargestellt. Mit diesen Angaben ist es Patienten möglich, eine genaue Insulindosierung zu bestimmen.
Die unter der Haut implantierte Sonde ist nach Aussagen des Direktors Medical Science so klein wie ein Reiskorn. Die Sonde misst die Zuckerwerte und vermittelt die Informationen via App auf das Handy. Anfangs verbleibt die Sonde für sechs Monate, später bis zu einem Jahr im Körper. Das kleine Messinstrument bietet zahlreiche Pluspunkte. Schließlich beugen die Dauermessung sowie genaue Insulindosierung einerseits lebensbedrohlichem Unterzucker vor. Andererseits minimiert sich das Risiko, dass ein entgleister Blutzuckerstoffwechsel im Körper zu schweren Folgeschäden führt. Schließlich begünstigen extreme Schwankungen typische durch Diabetes bedingte Leiden wie Blindheit, Amputationen, Herz- oder Nierenversagen.

Stabiler Blutzucker durch neue Insuline

Mehrere Forscherteams arbeiten aktuell an blutzuckerregulierenden Hormonen, deren Funktion noch besser als die von aktuellen Insulinen ist.

Mit diesen Medikamenten wirken lang wirkende Insuline besonders langsam auf den Zuckerstoffwechsel ein.

Zugleich arbeiten Forscher an besonders schnell wirkenden Mahlzeiten-Insulinen, die noch schneller als aktuelle Arzneimittel wirken werden. Diese Pharmazeutika zielen darauf ab, lebensbedrohlichem Unterzucker sowie Zuckerspitzen entgegenzuwirken. Vermutlich sind in spätestens zehn Jahren sogenannte Smartinsuline erhältlich, die aktuell an Tierversuchen erfolgreich erprobt werden. Weil das Insulin mit Eiweißen verbunden ist, verbleibt der Wirkstoff nach dem Spritzen im Gewebe und wird anschließend nur bedarfsweise an das Blut abgegeben.

Forscherteam
Mehrere Forscherteams arbeiten aktuell an blutzuckerregulierenden Hormonen, deren Funktion noch besser als die von aktuellen Insulinen ist

Eine Pumpe mit der Funktion einer Bauchspeicheldrüse

Die Bauchspeicheldrüse von Diabetikern vom Typ 1 kann überhaupt kein Insulin mehr produzieren. Deshalb ist der Alltag dieser Patienten von Insulin-Spritzen und Blutzuckermessungen bestimmt. Aktuell forschen Wissenschaftler an einer künstlichen Bauchspeicheldrüse, welche die Lebensqualität betroffener Patienten massiv verbessern soll.
Diese künstliche Bauchspeicheldrüse ist mit einer intelligenten Insulinpumpe vergleichbar, die den gesamten Stoffwechsel reguliert. Die Pumpe misst den Zuckerspiegel konstant und entscheidet dann, wann und welche Insulinmengen an den Körper abgegeben werden sollen. Blutzuckerschwankungen reduzieren sich auf ein Minimum. Dabei reduziert sich vor allem das Risiko für gefährlichen Unterzucker. Dieses künstliche Pankreas wird bereits in ersten größeren Patientenstudien erprobt.

Neue Blutzuckersenker

Bereits bestehende Diabetes-Medikamente sind gut dafür geeignet, um den Blutzucker zu regulieren. Auf das mit der Erkrankung verbundene erhöhte Risiko für Schlaganfälle oder Herzinfarkte haben diese Arzneimittel jedoch keinen Einfluss.

Zudem führt die regelmäßige Einnahme der Medizin zumeist zu einer Gewichtszunahme.

Neue Arzneimittel-Generationen sind sogenannte GLP1-Agonisten, die ebenfalls vor kardiovaskulären Beschwerden schützen. Zudem sind die Medikamente dafür geeignet, um das Gewicht zu reduzieren. Einige dieser GLP1-Agonisten sind allerdings auch schon seit längerer Zeit verfügbar.

Besonderheiten sogenannter SGLT-2-Hemmer

SGLT-2-Hemmer sind eine neue Gruppe von Blutzuckersenkern. Diese Medikamente sorgen im Körper dafür, dass der menschliche Organismus verstärkt Zucker über die Nieren ausscheidet. Dementsprechend wird im Körper ebenfalls der Abbau von Kalorien forciert. Neben der stetigen Blutzuckerkontrolle gewährleistet das Präparat einen dauerhaften Gewichtsverlust von bis zu fünf Kilogramm. Dieser Effekt beeinflusst wiederum das Herz-Kreislauf-System positiv.
In den Augen des Diabetologen ist es heutzutage wichtiger als jemals zuvor, dass Arzneimittel neben einer Blutzuckerkontrolle sogar Gefäße und das Herz schützen. Nach Aussagen des Mediziners zielen immer mehr Arzneimittel darauf ab, automatisch das kardiovaskuläre Risiko zu reduzieren.

Diabetesforschung in zehn Jahren: Abnehm-Medikamente sind wichtiger als Zelltransplantation

In den Augen des Diabetes-Experten hat die Stammzelltherapie sowie die Transplantation von insulinproduzierenden Betazellen schon bald ausgedient. Stattdessen arbeiten Wissenschaftler an neuen Medikamenten, die das Abnehmen unterstützen. Aktuell ist eine Prävention gegen die Krankheit durch mehr Bewegung und eine gesunde Ernährung nur wenig erfolgreich.
Da ein Abbau von Übergewicht jedoch eine Grundvoraussetzung ist, fokussiert sich die Forschung intensiv auf Wirkstoffe, die zu einer Gewichtssenkung führen. Auf diese Weise würde der Zuckerstoffwechsel automatisch reguliert werden.