Besondere Kameraobjektive und ihre Einsatzmöglichkeiten

Beim Kauf einer hochwertigen Kamera sind häufig bereits mehrere Objektive im Lieferumfang enthalten. Für spezielle fotografische Aufgaben reichen diese jedoch oft nicht aus. Wer bestimmte Effekte erzielen oder Aufnahmen in besonders hoher Qualität erstellen möchte, greift daher auf Spezialobjektive zurück, die für bestimmte Anwendungen entwickelt wurden.
Gängige Kameraobjektive
Wechselobjektive unterscheiden sich vor allem durch ihre Brennweite, die in Millimetern angegeben wird. Sie bestimmt den Bildausschnitt und damit den Einsatzbereich eines Objektivs. Grundsätzlich wird zwischen Festbrennweiten und Zoomobjektiven unterschieden.
Festbrennweiten
Festbrennweiten besitzen keine Zoomfunktion und haben eine feste Brennweite. Sie zeichnen sich häufig durch eine hohe Bildqualität, eine große Lichtstärke und eine einfache optische Konstruktion aus.
Typische Brennweiten sind 24 mm, 35 mm, 50 mm, 85 mm, 135 mm oder 200 mm.
Da jede Brennweite einen anderen Bildausschnitt bietet, nutzen viele Fotografen mehrere Objektive für unterschiedliche Motive und Aufnahmesituationen.
Zoomobjektive
Zoomobjektive ermöglichen es, die Brennweite flexibel zu verändern. Dadurch kann der Bildausschnitt angepasst werden, ohne die Position zu verändern. Typische Brennweitenbereiche sind beispielsweise 17–40 mm, 24–105 mm oder 70–200 mm.
Sie sind besonders vielseitig einsetzbar und eignen sich unter anderem für Hochzeits-, Porträt- oder Naturfotografie. Festbrennweiten bieten jedoch häufig eine etwas höhere Bildqualität und größere Lichtstärke.
Viele Kameras mit Wechselobjektivsystem werden mit preiswerten Kit-Zoomobjektiven ausgeliefert, die einen großen Brennweitenbereich abdecken und für den Einstieg geeignet sind.

Häufig verwendete Objektivtypen
Je nach Motiv und gewünschter Bildwirkung kommen unterschiedliche Objektivtypen zum Einsatz.
Weitwinkelobjektive
Weitwinkelobjektive besitzen kurze Brennweiten, meist zwischen 12 und 35 mm. Sie ermöglichen einen großen Bildwinkel und eignen sich besonders für Landschafts-, Architektur- oder Reisefotografie.
Je kürzer die Brennweite ist, desto größer ist der erfasste Bildausschnitt. Gleichzeitig können jedoch Verzerrungen auftreten, die insbesondere bei Architekturaufnahmen sichtbar werden.
Teleobjektive
Teleobjektive decken das obere Brennweitenspektrum ab und beginnen meist bei etwa 70 mm.
Viele Modelle reichen bis 500 mm oder mehr.
Mit ihnen lassen sich weit entfernte Motive formatfüllend aufnehmen. Typische Einsatzgebiete sind Natur-, Wildtier-, Sport- oder Astrofotografie. Aufgrund der großen Brennweiten sind diese Objektive häufig relativ schwer, weshalb ein Stativ oder ein Bildstabilisator hilfreich sein kann.
Nifty-Fifty-Objektive
Objektive mit einer Brennweite von 50 mm werden oft als „Nifty Fifty“ bezeichnet. Sie bieten meist eine große Blendenöffnung, beispielsweise f/1.8 oder f/1.4, und erzeugen eine geringe Tiefenschärfe mit einem angenehmen Bokeh.
Da ihr Bildwinkel ungefähr dem menschlichen Seheindruck entspricht, wirken Fotos besonders natürlich. Gleichzeitig treten nur geringe Verzerrungen auf.

Spezialobjektive für besondere Aufgaben
Neben den klassischen Objektivtypen gibt es Spezialobjektive, die für bestimmte fotografische Effekte oder technische Anforderungen entwickelt wurden.
Tilt-Shift-Objektive
Tilt-Shift-Objektive ermöglichen es, das Linsensystem gegenüber der Kamera zu neigen (Tilt) oder zu verschieben (Shift).
Durch das Shiften kann die Perspektive korrigiert werden, sodass beispielsweise Gebäude ohne stürzende Linien fotografiert werden können. Deshalb werden diese Objektive häufig in der Architekturfotografie eingesetzt.
Beim “Tilten” wird die Schärfeebene gezielt verändert.
Dadurch lassen sich kreative Effekte erzeugen, etwa der bekannte Miniatureffekt, bei dem reale Szenen wie Modelllandschaften wirken.
Viele Modelle erlauben eine Neigung von etwa ±8,5 Grad und eine Verschiebung von rund ±12 mm. Hochwertige Objektive verfügen über präzise Einstellräder für eine genaue Justierung. Von verschiedenen Herstellern und in größerer Auswahl sind Tilt Shift Objektive bei Kamera Express erhältlich.
Fisheye-Objektive
Fisheye-Objektive gehören zu den extremen Weitwinkelobjektiven und besitzen meist Brennweiten zwischen 4 und 14 mm. Sie erfassen einen sehr großen Bildwinkel von bis zu 180 Grad.
Durch ihre spezielle Konstruktion entstehen starke tonnenförmige Verzerrungen, die bewusst als gestalterisches Element genutzt werden. Dadurch eignen sich Fisheye-Objektive besonders für kreative, abstrakte oder experimentelle Fotografie.
Es gibt zirkuläre Fisheyes, die ein kreisförmiges Bild erzeugen, sowie Vollformat-Fisheyes, die den gesamten Sensor ausleuchten.

Makroobjektive
Makroobjektive sind für extreme Nahaufnahmen konzipiert. Sie ermöglichen in der Regel einen Abbildungsmaßstab von 1:1, bei dem das Motiv in Originalgröße auf dem Sensor abgebildet wird.
Damit lassen sich kleinste Details wie Insekten, Pflanzenstrukturen oder Schmuck präzise fotografieren. Deshalb werden Makroobjektive häufig in der Natur-, Produkt- oder Wissenschaftsfotografie eingesetzt.
Bei großen Vergrößerungen ist die Schärfentiefe sehr gering. In solchen Fällen wird oft Fokus-Stacking verwendet, bei dem mehrere Bilder mit unterschiedlichen Schärfeebenen zu einer Aufnahme kombiniert werden.
Eine besondere Variante sind sogenannte Probe- oder Rüsselobjektive, die über einen langen, schmalen Tubus verfügen und Aufnahmen in schwer zugänglichen Bereichen ermöglichen.
Objektive für Porträtfotografie
Für Porträts werden häufig Objektive mit Brennweiten zwischen 85 mm und 135 mm verwendet. Sie erzeugen eine natürliche Perspektive und vermeiden Verzerrungen im Gesicht.
Eine große Blendenöffnung ermöglicht eine geringe Tiefenschärfe, wodurch sich das Motiv deutlich vom Hintergrund abhebt.
Dadurch entsteht der typische Porträtlook mit weichem Bokeh.
Kann Software Spezialobjektive ersetzen?
Viele Effekte lassen sich heute auch mithilfe von Bildbearbeitungssoftware simulieren, etwa Bokeh, Tilt-Effekte oder perspektivische Korrekturen.
Physikalische Eigenschaften eines Objektivs lassen sich jedoch nur begrenzt digital ersetzen. Besonders in der Makrofotografie oder bei extremen Brennweiten stoßen Softwarelösungen schnell an ihre Grenzen.
In der Praxis ergänzen sich daher hochwertige Objektive und digitale Nachbearbeitung.





