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Was ist Schweinegrippe?

Was ist Schweinegrippe?
Was ist Schweinegrippe?

Erstmal ist die Schweinegrippe nur eine ganz normale Atemwegserkrankung. Die sogenannte „neue“ Grippe oder auch Influenzavirus A/H1N1 hat ihren Namen deshalb, weil sie bei Schweinen sehr verbreitet ist. Als virale Atemwegserkrankung ist die Schweinegrippe normalerweise harmlos, kann aber auch zu einem gefährlichen Erreger werden, der von Menschen zu Menschen übertragen werden kann. Erstmals nachweisen konnte man den Erreger im Jahr 1930. Schweine und Menschen sind für Viren auf ähnliche Weise angreifbar. Früher steckten sich einige Personen deswegen direkt bei den Tieren an – zumindest dann, wenn sie nahen Kontakt pflegten. Anschließend endete die Infektionskette, das heißt, nach der Ansteckung infizierte die Person keine weiteren Personen. Heute gibt es wie schon erwähnt vereinzelt auch menschliche Infektionsketten.

A/H1N1 – Bedeutung, Aussehen und Vorgehensweise

Inzwischen konnten vier Subtypen der Schweinegrippe identifiziert werden: H1N1, H1N2, H3N2 und H3N1. H und N stehen für die Eiweiße der Virushülle.

H für Hämagglutinin (HA) und N für Neuramipidase (NA). Der Subtyp A des H1N1 Virus hat sich weiterentwickelt. Die Gene des nun aufgetauchten Subtyps stammen von verschiedenen Viren, die anfänglich Vögel, Menschen oder Schweine infizierten. Grippeviren sind eine der wandlungsfähigsten Erreger, die es gibt.

Da eine Mischung des Virus stattfand, können nun auch Menschen andere Menschen anstecken.

Die Viren haben eine charakteristische Form, denn sie sehen unter dem Mikroskop aus wie kleine, kugelrunde Igel. Die Stacheln des höchst komplex aufgebauten Virus sind die Rezeptoren (die Eiweiße der Virushülle). HA-Rezeptoren sind dafür zuständig, dass das Virus an der Oberfläche der Schleimhautzellen andocken kann. NA-Rezeptoren werden hingegen benötigt, um die Tochterviren wieder aus der Wirtszelle zu holen. Stellen Sie sich vor, dass zwischen diesen beiden Prozessen die Zelle vom Virus „versklavt“ wird. Das Virus nutzt diese für seine eigenen Bedürfnisse. Es setzt im Zellinneren Erbinformationen frei und lässt für die Vermehrung alle verfügbaren Kräfte der Wirtszelle für sich arbeiten.

Viren der Schweinegrippe
Die Viren haben eine charakteristische Form, denn sie sehen unter dem Mikroskop aus wie kleine, kugelrunde Igel

Ansteckung und Symptome

Durch feinste Tröpfchen gelangt das Virus von einem Wirt zum nächsten und siedelt sich dort in den Atemwegen an. Das Virus ist in der Lage zeitweise auch ohne Körper oder Wirt zu überleben. Das bedeutet, dass man sich auch über Händeschütteln infizierter Menschen anstecken kann. Die Inkubationszeit ist nicht genau bekannt, beträgt aber irgendwas zwischen einem bis drei Tagen. Am 11.06.2009 gab es durch die WHO sogar eine Pandemie-Warnung. Was das bedeutet, erfahren wir aktuell alle am eigenen Leib. Aktuell ist der Krankheitsverlauf der Schweinegrippe vergleichsweise harmlos, doch damals gab es die Befürchtung, dass die Viren gegen antivirale Medikamente resistent werden könnten. Finden weitere Mutationen statt, kann sich der jetzige Zustand natürlich auch schnell wieder ändern.

Die normale Influenzawelle findet jedes Jahr im Januar oder Februar statt. Die Schweinegrippe wurde allerdings im April 2010 in Deutschland erstmals gemeldet – also außerhalb der üblichen Grippe-Saison. Zu den Risikopatienten gehören ähnlich wie bei der normalen Grippe Schwangere, ältere Personen und Menschen mit chronischen Erkrankungen. Auch kleine Kinder können vom Risiko eines schweren Verlaufes betroffen sein.

Die Symptome ähneln denen eines herkömmlichen Influenza-Virus sehr.

Nach ca. 1-4 Tagen treten plötzlich hohes Fieber, Schnupfen, eventuell Halsschmerzen, Husten, Glieder- und Muskelschmerzen oder Appetitlosigkeit auf. Auch Übelkeit mit Erbrechen oder Durchfall können die Schweinegrippe kennzeichnen. Gerade letztere Symptome kommen bei einer normalen Grippe nicht vor. Um jedoch gänzlich auszuschließen, dass es sich um eine normale Grippe handelt, kann ein PCR-Test helfen. Haben Patienten allerdings eindeutige Grippesymptome, ist die PCR-Methode hinfällig. In dem Fall kann sofort mit der Therapie begonnen werden, sofern die Symptome nicht vor mehr als 48 Stunden begannen.

Therapie und Prävention

Ähnlich wie bei anderen Typ-A -Viren können NA-Hemmer eine Wirkung zeigen. Der Neuraminidase-Hemmer muss jedoch zwingen innerhalb der ersten 24 bis 48 Stunden zum Einsatz kommen. Die Grippemedikamente Tamiflu und Relenza wirken ebenfalls auch bei der Schweinegrippe.

Zur Prävention gibt es einen Impfstoff gegen die Schweinegrippe. Dieser ist jedoch aufgrund der möglichen Nebenwirkungen nicht überall beliebt. Die kontroverse Diskussion findet jedoch außerhalb des Robert-Koch-Instituts und des Paul-Ehrlich-Instituts statt, denn diese Institutionen halten die Impfung für sicher. Die Schutzdauer der Impfung geht von 6 Monaten bis hin zu einem Jahr.

Schweinegrippe – Gut zu wissen

  • Auch die Schweinegrippeimpfung kann Nebenwirkungen haben.
  • Es ist nicht gefährlich, Schweinefleisch zu essen.
  • Schweine gelten als „Mischgefäße“, also mischen sich in ihnen Schweine-, Vögel-, und Menschen-Grippeviren. Diese drei Gruppen können nämlich alle das Schwein infizieren. Befallen dann mehrere Viren simultan die Zelle, kann sich das Erbgut kombinieren und das Virus kann sich neue Eigenschaften aneignen.
  • Einmal und nie wieder? – Schön wäre es. Wer sich jedoch einmal infiziert hat, ist nicht dauerhaft geschützt, denn das Virus kann mutieren.
  • Jüngere Menschen haben ab und zu mit schweren Verläufen zu kämpfen.
  • Es gibt jedoch auch Fälle, in denen keinerlei Symptome auftraten.