Wie produktiv ist Homeoffice?

Während der Corona-Pandemie hat sich das Homeoffice zu einem neuen Trend in der Arbeitswelt entwickelt. Viele Arbeitnehmer, aber auch Arbeitgeber wissen diese Arbeitsform zu schätzen. Arbeitgeber können dabei Kosten sparen und teilweise von einer höheren Produktivität der Mitarbeiter profitieren.
Studie zeigt höhere Produktivität der Angestellten im Homeoffice
Aus einer Studie mit 11.000 Angestellten aus einem deutschen Konzern ging hervor, dass die Mitarbeiter im Homeoffice um ungefähr 20 Prozent produktiver als bei der Präsenzarbeit im Büro sein können. Allerdings geht dieser Vorteil verloren, wenn die Mitarbeiter nur selten vor Ort im Büro erscheinen.
Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, kein Stress auf dem Weg zur Arbeit und eine bessere Work-Life-Balance sind nur einige Vorteile, die Homeoffice für die Mitarbeiter bieten kann. Auch die Ansteckungsgefahr während der Erkältungswelle ist im Homeoffice deutlich geringer. Homeoffice schafft auch Flexibilität, die von Arbeitnehmern und Arbeitgebern als Vorteil angesehen wird.
Dennoch haben einige Unternehmen eine Präsenzquote eingeführt, wie oft die Mitarbeiter im Büro mindestens erscheinen sollen.
Eine Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom im Mai 2025 ergab, dass von den befragten 602 deutschen Unternehmen jedes fünfte das Homeoffice nach der Corona-Pandemie wieder abgeschafft hat. Die Möglichkeit zum flexiblen Arbeiten wurde von 30 Prozent der befragten Unternehmen eingeschränkt.

Bedenken der Unternehmen beim Homeoffice
Einige Unternehmen sorgen sich, dass die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern beeinträchtigt wird, wenn die Mitarbeiter zu Hause arbeiten. Bedenken bestehen auch, dass es den Mitarbeitern an Ideen mangeln würde oder der Informationsfluss gestört sein könnte. Ebenso befürchten einige Unternehmen, dass die Mitarbeiter im Homeoffice nicht genügend motiviert sind und faulenzen könnten.
Die renommierte Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlichte 2024 die Ergebnisse einer Studie mit 1.600 Mitarbeitern eines chinesischen Technologiekonzerns.
Die Jobzufriedenheit wird laut dieser Studie beim hybriden Arbeiten, das durch Präsenz und Arbeit im Homeoffice gekennzeichnet ist, gesteigert. Die Fluktuation geht in der Folge zurück.
Wie die Studie ergab, litten die Qualität der Arbeit und die Produktivität beim hybriden Arbeiten nicht. Die Daten kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) lassen vermuten, dass hybrides Arbeiten die Produktivität steigern könnte.
Analyse des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation
Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation veröffentlichte eine Analyse mit 11.000 Mitarbeitern der Techniker-Krankenkasse (TK) von 2022. Bereits vor der Corona-Pandemie begann die Techniker-Krankenkasse, das hybride Arbeiten schrittweise einzuführen.
Mit einer Einzelplatzauswertung erhob die TK engmaschig individuelle Daten zu den Mitarbeitern, damit Führungskräfte Informationen über die Arbeitslast und Leistung in ihrem Team erhalten konnten.
Bei den Teilnehmern der Studie handelte es sich um für die Sachbearbeitung zuständige Mitarbeiter und um solche mit direktem Kundenkontakt. Die Zahl der bearbeiteten Anliegen oder der Telefonate wurde als Kennwert für die messbare Produktivität herangezogen. Berücksichtigt wurden auch Faktoren, die sich langfristig positiv auswirken können. Dazu zählten die Jobzufriedenheit, der Zusammenhalt im Team, das Arbeitsklima, Wissenstransfer und soziale Kontakte.
Die messbare Produktivität lag im Homeoffice um ungefähr 20 Prozent höher als bei der Präsenzarbeit. Viele Mitarbeiter gaben an, dass sie zu Hause konzentrierter arbeiten würden. An den Präsenztagen konnten sie sich besser mit ihren Kollegen austauschen.
Dieses Ergebnis lässt den Eindruck aufkommen, dass die Angestellten zu Hause mehr arbeiten und im Büro mehr Zeit für persönliche Gespräche miteinander verbringen. Allerdings ist das Gegenteil der Fall.
Bei der Präsenzarbeit können die Mitarbeiter bei einem gemeinsamen Essen miteinander reden. Auch kurze Gespräche auf dem Flur fördern den sozialen Zusammenhalt und auch den Informationsfluss. Indirekt wirkt sich das positiv auf die Leistung aus. Was zählt, ist das gemeinsame Ergebnis.

Vergleich der Gesamtproduktivität
Für einen Vergleich der Gesamtproduktivität zogen die Forscher drei Zeiträume mit unterschiedlicher Präsenzquote heran. Ungefähr 70 Prozent der Arbeitszeit verbrachten die Mitarbeiter von Januar bis Mai 2022 im Homeoffice. Im Frühjahr 2023 arbeiteten viele Mitarbeiter wieder im Büro, sodass der Anteil von Homeoffice bei 55 Prozent lag. Im Jahr 2024 konsolidierte sich der Anteil von Homeoffice auf 58 Prozent.
Die meisten Anliegen wurden von den Mitarbeitern 2024 bearbeitet. Im Jahr 2022 war die Präsenzquote am niedrigsten, was sich in einer geringeren Zahl der bearbeiteten Anliegen niederschlug. Das ideale Verhältnis zwischen Homeoffice und Präsenz liegt bei der TK bei ungefähr 60 zu 40. Diese These wurde durch Stichproben in Dienststellen mit einer hohen Homeoffice-Quote gestützt.
Die Unterschiede waren insgesamt jedoch nur gering. Das liegt auch daran, dass die Produktivität in jedem Jahr geringfügig ansteigt.
Nur dann, wenn alle Mitarbeiter mitmachen, sind die Vorteile der Präsenz spürbar. Wenn nur einzelne Mitarbeiter häufig im Büro sind und den anderen nicht begegnen, zeigen sich diese positiven Effekte nicht.
Maßgeschneiderte Lösungen für Unternehmen schaffen
Die Forscher betonen, dass die Quote von 60:40 für das Unternehmen als Ganzes und nicht für jeden einzelnen Mitarbeiter gilt. Die Präsenz ist aufgrund von verschiedenen Einflussfaktoren mehr oder weniger sinnvoll.
Es kommt darauf an, welche Tools zur Zusammenarbeit effizient genutzt werden, auf welche Art die Aufgaben am effizientesten erledigt werden oder wie der Zusammenhalt im Team ist. Auch die Führungskultur im Team wirkt sich darauf aus.
Wenn sich die Mitarbeiter gut kennen und sich im Büro verabreden, tauschen sie sich auch im Homeoffice häufiger virtuell aus. Sie unterstützen sich und teilen Informationen. Sie bleiben dem Unternehmen eher treu.
Die Forschenden sprechen sich für maßgeschneiderte Lösungen aus. Die beiden Arbeitsformen sollten nicht gegeneinander ausgespielt, sondern miteinander gesehen werden. Für Unternehmen kommt es darauf an, alle Einflüsse zu berücksichtigen.





