Wirtschaftskriminalität im Mittelstand: Risiken frühzeitig erkennen

Wirtschaftskriminalität kann Unternehmen unterschiedlicher Größe treffen und sie in den Ruin treiben. Da der Mittelstand das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bildet, wiegen solche Schäden besonders schwer. Mittelständische Unternehmen sind stark gefährdet, da es mitunter an entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen mangelt. Die Kriminellen nutzen Sicherheitslücken, um Schadsoftware einzuschleusen. Häufig werden die Unternehmen ausgespäht. Um das zu verhindern, ist es wichtig, frühzeitig die Risiken zu erkennen und zu handeln.
Häufigste Delikte von Wirtschaftskriminalität im Mittelstand
Wie die KPMG-Studie „Wirtschaftskriminalität in Deutschland 2023“ zeigt, war mehr als jedes dritte Unternehmen (34 Prozent) in den zwei Jahren vor der Befragung von Wirtschaftskriminalität betroffen. Die Folgestudie „Wirtschaftskriminalität in Deutschland 2025/2026“ verdeutlicht das Anwachsen der Besorgnis: 48 Prozent der Unternehmen halten das Risiko für ihr eigenes Haus mittlerweile für hoch oder sehr hoch, und 71 Prozent betrachten das Risiko durch KI-basierten Betrug als hoch oder sehr hoch.
Cyberkriminalität ist ein weit verbreitetes Problem im Mittelstand, doch kann sich Wirtschaftskriminalität auch in anderen Formen zeigen.
Um vorzubeugen, kommt es darauf an, diese Delikte zu kennen.
Das sind die häufigsten Delikte von Wirtschaftskriminalität:
- Unterschlagung und Diebstahl
- Datenmissbrauch und Datendiebstahl
- Untreue und Betrug
- Verstöße gegen den Datenschutz
- Korruption
- Verletzung von Schutz- und Urheberrechten
- Verrat von Betriebsgeheimnissen
- Geldwäsche
Viele Fälle von Wirtschaftskriminalität stehen im Zusammenhang mit Cyberkriminalität. Die Täter wenden immer neue Methoden an und entwickeln immer neue Varianten von Schadsoftware, um Unternehmensdaten auszuspähen oder zu zerstören. Dabei können den Unternehmen hohe finanzielle Schäden entstehen.
Wirtschaftskriminalität kann von Mitarbeitern, aber auch von externen Kriminellen verübt werden. Diebstahl und Unterschlagung werden von internen Tätern ausgeführt, doch verraten kriminelle Mitarbeiter auch Betriebsgeheimnisse oder verstoßen gegen den Datenschutz.
Da die Täter ausgeklügelte Methoden anwenden und auch immer häufiger KI verwenden, ist es schwierig, sie zu ermitteln. Eine professionelle Wirtschaftsdetektei kann helfen.

Risiken von Wirtschaftskriminalität im Mittelstand
Vermögensschäden gehören zu den häufigsten Risiken im Mittelstand. Hacker können durch das Einschleusen von Schadsoftware an Zugangsdaten zu Firmenkonten gelangen. Häufig erfolgt das Phishing per E-Mail. Diese E-Mails können täuschend echt wirken. Mit ihnen werden Passwörter, PINs und andere sensible Daten abgefragt.
Um zu verhindern, dass sensible Daten an Kriminelle gelangen, kommt es auf regelmäßige Schulungen der Mitarbeiter an. Banken und Behörden werden keine Passwörter, PINs und andere sensible Daten abfragen. Auf Phishing-Mails darf nicht reagiert werden.
Neben den direkten Vermögensschäden kann es zu Rufschädigung des Unternehmens kommen.
Dieser Imageverlust zieht gefährliche Kreise. Kunden verlieren das Vertrauen in das Unternehmen, was zu Umsatzeinbußen führt.
Werden Betriebsgeheimnisse verraten oder ausgespäht, kann das ebenfalls zu Vermögensschäden führen. Andere Unternehmen nutzen diese Geheimnisse, zu denen wichtige Technologien zählen. Das betroffene Unternehmen verliert Kunden und Alleinstellungsmerkmale.
Ein ernstzunehmendes Risiko im Mittelstand ist Cyberkriminalität. Sie wird von 55 Prozent der in einer Studie befragten deutschen Unternehmen als häufigstes Risiko genannt. In den letzten Jahren hat die Bedrohung stark zugenommen. Kriminelle können sich in die IT-Infrastruktur von Unternehmen einhacken, Daten stehlen oder unbrauchbar machen.
Mit Ransomware verschlüsseln Kriminelle wichtige Unternehmensdaten. Für die Entschlüsselung dieser Daten verlangen sie hohe Beträge an Lösegeld. Mit Sicherheitssoftware und regelmäßigen Backups, die vom Netzwerk getrennt sind, können die Folgen verhindert werden; eine Cyberversicherung hilft, die finanziellen Schäden zu mindern.
Cyberangriffe können zu Ausfällen im Unternehmen führen und schwerwiegende finanzielle Folgen haben. Neben den direkten finanziellen Folgen entstehen hohe Kosten für die Wiederherstellung der Daten und der IT-Infrastruktur.

Warum Wirtschaftskriminalität im Mittelstand schwer erkennbar ist
In mittelständischen Unternehmen wird Wirtschaftskriminalität oft erst dann erkannt, wenn bereits ein schwerwiegender Schaden eingetreten ist. Wirtschaftskriminalität entsteht schleichend.
Wiederkehrende Abweichungen werden oft nur schwer erkannt, da in mittelständischen Unternehmen häufig Zeitdruck herrscht.
Einzelfälle bei kriminellen Mitarbeitern werden häufig erst spät oder nicht erkannt.
Mehrere organisatorische Risiken können Wirtschaftskriminalität begünstigen und führen dazu, dass sie nur schwer erkennbar ist:
- Aufgrund fehlender Kontrollmechanismen wie Plausibilitätsprüfungen und Gegenkontrollen werden Auffälligkeiten oft nicht festgestellt
- Zuständigkeiten für Prüfungen, Freigaben oder Dokumentationen sind oft unklar, sodass zwischen den Rollen Lücken entstehen und kriminelle Vorgänge erst zu spät erkannt werden
- Durch schwache Dokumentationen, wenn Entscheidungen, Änderungen oder Freigaben nur unvollständig festgehalten werden, können kriminelle Vorgänge später nur schwer nachvollzogen werden
- Die Anfälligkeit für Wirtschaftskriminalität nimmt zu, wenn die Funktionen bei Bestellung, Prüfung und Freigabe vermischt sind.
- Mitarbeiter können sich an Abweichungen schnell gewöhnen und strukturell problematische Sonderfälle als normal behandeln
Häufig treten mehrere solcher Risiken in einem Unternehmen auf. Wirtschaftskriminalität kann dadurch zu einer ernsthaften Gefahr werden.
Wichtige Hinweise auf Wirtschaftskriminalität in mittelständischen Unternehmen
Mittelständische Unternehmen sollten ihre Zahlen und Abläufe im Blick behalten, um Auffälligkeiten schnell festzustellen. Es gibt verschiedene Warnsignale, die sich anhand der Buchführung feststellen lassen:
- Wiederkehrende glatte Beträge, manuelle Anpassungen und ähnliche Zahlenbilder, die darauf hindeuten können, das Vorgänge manipuliert wurden
- Häufige Abweichungen von Rabatten, Einzelpositionen, Mengen und Preisen von den üblichen Mustern, die oft als normale Schwankungen betrachtet werden
- Wiederkehrende Korrekturen durch Umbuchungen, Nachbuchungen und nachträgliche Änderungen ohne Begründung, die zu einem erhöhten Prüfbedarf führen
- Schnelle Freigaben unter Zeitdruck bei Bestellungen oder Zahlungen
- Fehlende oder verspätet auftauchende Belege, die eine saubere Rückverfolgung erschweren
- Unklare Gutschriften, die sachlich nicht klar zugeordnet werden können
- Einzelne Vorgänge, die sichtbar außerhalb von definierten Abläufen laufen
Tritt eines dieser Signale auf, muss es sich noch nicht um Wirtschaftskriminalität handeln. Passen jedoch mehrere solcher Auffälligkeiten sachlich oder zeitlich zusammen, sollten Unternehmen aufmerksam werden und den Problemen auf den Grund gehen.
Es kommt nicht nur auf Zahlen und Prozesse an. Auch das Verhalten von Mitarbeitern sollte genauer beobachtet werden, wenn ein Verdacht auf Wirtschaftskriminalität besteht. Einzelne Mitarbeiter können sich auffällig stark abschotten oder gereizt auf zusätzliche Transparenz reagieren. Das kann darauf hindeuten, dass sie in kriminelle Aktivitäten verwickelt sind.

Wie Unternehmen Wirtschaftskriminalität vorbeugen können
Mittelständische Unternehmen sollten die Zuständigkeiten klar definieren und ihre Mitarbeiter regelmäßig schulen. Es ist wichtig, die Mitarbeiter über neue Betrugsmaschen und über Cyberkriminalität zu informieren und ihnen die richtigen Handlungsweisen aufzeigen. Wichtig ist auch, dass die Software und die IT-Infrastruktur immer auf dem neuesten Stand sind. Auf eine gute Sicherheitssoftware zum Schutz vor Hackerangriffen sollten Unternehmen nicht verzichten.
Eine wichtige Maßnahme zum Schutz vor Wirtschaftskriminalität ist das Risikomanagement. Vorhandene Risiken sollten erfasst und beseitigt werden. Für den Notfall sollten Unternehmen Verantwortlichkeiten festlegen, darunter in der IT-Abteilung und in den Fachabteilungen.
Die zuständigen Mitarbeiter müssen eng zusammenarbeiten. Risikoanalysen sollten regelmäßig stattfinden.
Nicht jedes Unternehmen kann sich eine eigene IT-Abteilung leisten. Wichtig ist die Zusammenarbeit mit einem zuverlässigen externen Unternehmen, das auf Risiken von Cyberangriffen spezialisiert ist. Auf eine Cyberversicherung sollten Unternehmen nicht verzichten.
Was tun bei Wirtschaftskriminalität?
Ist ein Fall von Wirtschaftskriminalität eingetreten, muss der Fall sorgfältig dokumentiert werden. Die Informationen müssen als Beweise gesichert werden. Wenn eine Versicherung besteht, muss der Schaden umgehend im Einklang mit den Vertragsbedingungen gemeldet werden. Außerdem ist es ratsam, eine polizeiliche Anzeige zu machen.
Bei einem Vorfall, der personenbezogene Daten betrifft, ist das Unternehmen verpflichtet, diesen nach Art. 33 DSGVO sieht vor, dass Meldungen an die zuständige Datenschutz-Aufsichtsbehörde grundsätzlich innerhalb von 72 Stunden erfolgen. Firmen, die dem NIS2-Umsetzungsgesetz unterliegen, sind verpflichtet, beim BSI erhebliche Sicherheitsvorfälle binnen 24 Stunden erstmelden.
Im Unternehmen muss Vertraulichkeit gewahrt werden, um das Entstehen einer unkontrollierten Dynamik zu vermeiden.
Der Fall muss analysiert werden, um solche Fälle künftig mit den entsprechenden Gegenmaßnahmen zu verhindern.





