Krise in der Glasfaser-Branche

Der Ausbau des Glasfasernetzes läuft in Deutschland auf Hochtouren und kommt gut voran. Bis Ende des Jahres 2026 sollen laut einer Studie des Branchenverbandes VATM 32 Millionen Haushalte und Betriebe mit den Kabeln für das schnelle Internet versorgt sein. Das wäre binnen eines Jahres ein Plus von 5,4 Millionen und damit eine Rekordzahl. Für die digitale Wirtschaft gilt der flächendeckende Glasfaserausbau als wichtiger Standortfaktor. Dennoch steckt die Glasfaser-Branche aktuell in einer Krise.
Hohe Baukosten und gestiegene Zinsen
VATM-Geschäftsführer Frederic Ufer spricht von einer angespannten Lage am Glasfasermarkt. Gründe dafür sind gestiegene Zinsen, hohe Baukosten und geringe Einnahmen.
Nur ungefähr jeder vierte Haushalt schließt einen Vertrag über Glasfaser-Internet ab.
Die meisten Haushalte nutzen noch immer Internet über DSL mit Fernsehkabel-Internet oder Telefonleitungen. Diese Technologien gelten bereits als veraltet und basieren auf Kupfer. Die Datenübertragung über Glasfaser erfolgt mit Lichtsignalen und ist schneller.
Um die hohen Ausbaukosten zurückzuverdienen, müssen Einnahmen erzielt werden, was gegenwärtig schwer ist. Schwierigkeiten bestehen auch aufgrund regulatorischer Unsicherheiten.

Hohe Kosten für den Ausbau
Der Glasfaserausbau ist kapitalintensiv, da es auf Genehmigungen, Technik, Vertrieb, Tiefbau und Hausanschlüsse ankommt. Viele Firmen investieren zunächst viel Geld und erzielen erst Jahre später Gewinne. In der Niedrigzinsphase 2022 hat das noch gut funktioniert. Jetzt sind Kredite jedoch teurer und Refinanzierungen schwieriger geworden. Erst nach zehn bis 20 Jahren zahlen sich Investitionen aus.
Die Tiefbaukosten, zu denen Kosten für Material und Maschinen gehören, sind in Deutschland hoch.
Im internationalen Vergleich hat Deutschland die höchsten Ausbaukosten.
Mangel an Fachkräften
Der Fachkräftemangel in der Baubranche ist ein weiteres Problem. Benötigt werden insbesondere Netzplaner, Tiefbauer und Glasfasermonteure. Zur genauen Entwicklung des Fachkräftebedarfs bei der Führung von Erdbauarbeiten im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr (im Originaltext: “38 Prozent gestiegen”) konnten keine gesicherten Informationen gefunden werden; die Zahl bleibt daher unklar. Ein möglicher Grund für den allgemeinen Fachkräftemangel sind verschiedene gleichzeitig laufende andere Infrastrukturprojekte in Deutschland wie die Erneuerung von Brücken oder Autobahnen.

Insolvenzverfahren bei einigen Glasfaser-Firmen
Einige Glasfaser-Firmen befinden sich in einer Krise, darunter das nordrhein-westfälische Firmenkonglomerat Ruhrfibre und Metrofibre, das ein vorläufiges Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchläuft. Die Finanzpartner hatten ihre Zusagen zurückgerufen.
Das Konglomerat sucht jetzt neue Investoren. Glasfaser von Ruhrfibre liegt in Essen in Reichweite von 100.000 Haushalten. Vorgesehen ist die Versorgung von 137.000 Haushalten. Der Ausbau pausiert jetzt. Die Firma hat auch ehrgeizige Ziele in Mönchengladbach, Düsseldorf, Bottrop und Herne, doch muss sich zeigen, ob es sie erreichen kann.
Andere Firmen befinden sich noch nicht im Insolvenzverfahren, doch sie benötigen dringend frisches Kapital. Das trifft auch für das Düsseldorfer Unternehmen Deutsche Glasfaser zu. Das Unternehmen konnte 1,2 Milliarden Euro einholen.
Unter Druck stand auch die Firma Deutsche Giganetz aus Hamburg, die sich im Jahr 2025 eine Finanzierung über 0,3 Milliarden Euro sichern konnte. Auch die Kieler Firma GVG Glasfaser gab im Februar 2026 eine Extra-Finanzierung von 0,135 Milliarden Euro bekannt – andere Anbieter waren weniger erfolgreich und verschwanden vom Markt.
Andreas Pfisterer, der Chef des Unternehmens Deutsche Glasfaser, kündigte auf der Internetmesse Anga Com eine Absenkung der Ausbauziele an, da die Suche nach frischem Kapital schwierig ist.
Verhaltene Nachfrage nach Glasfaser-Verträgen
Der Preis für Glasfaser-Internet ist inzwischen gesunken, doch die Nachfrage ist verhalten. Von den Verbrauchern, bei denen Glasfaser verfügbar ist, schließen Drei Viertel keinen Vertrag ab, da der Vermieter aufgrund der erforderlichen Inhouse-Verkabelung nicht zustimmt, oder sie sind selbst nicht interessiert.
Auf Werbeschreiben reagieren viele potenzielle Kunden nicht. Die Branche setzt daher auf Haustürvertreter. Einige dieser Vertreter treten penetrant auf. Das führt zu Beschwerden bei den Verbraucherzentralen.
In Deutschland gibt es ungefähr 300 Glasfaser-Firmen.
Ungefähr zwei Drittel von ihnen versorgen weniger als 10.000 Haushalte. Laut VATM-Geschäftsführer Ufer nutzt die Telekom ihre dominante Marktposition aus und bereitet den kleineren Unternehmen Probleme – die Telekom weist das zurück und verweist auf ihre Milliardeninvestitionen in den Glasfaserausbau.
Von den Haushalten und Betrieben mit Glasfaser in Reichweite schließt knapp die Hälfte Verträge mit der Telekom ab. Laut Prognose sind das am Ende des Jahres 2025 etwa 15,1 Millionen. Der Erzrivale Vodafone kommt hingegen nur auf 0,6 Millionen Haushalte mit Glasfaser in Reichweite, die über die Tochterfirma OXG bedient werden.
Telekom und Vodafone investieren in Glasfaser und pflegen auch ihren Altbestand. Bei Telekom sind Telefonleitungen mit DSL noch bei 21,8 Millionen Haushalten vorhanden. Altbestände von Vodafone sind Fernsehkabel, die von 8,5 Millionen Kunden genutzt werden.
Die Kunden nutzen diese alten Technologien immer noch, obwohl sie für etwa den gleichen Preis oder einen geringen Preisaufschlag einen Glasfaser-Vertrag haben könnten.
Kupfernetze als Problem beim Glasfaser-Ausbau
Wie VATM-Geschäftsführer Frederic Ufer sagt, ist für viele Menschen in Deutschland die Qualität von DSL noch zufriedenstellend. In anderen großen EU-Staaten sind nur Bandbreiten von 50 Megabit erreichbar. In Deutschland werden hingegen bis zu 250 Megabit pro Sekunde erreicht. Bei der Koax-Technologie, die beim Fernsehkabel-Internet genutzt wird, sind sogar Übertragungsgeschwindigkeiten von 1.000 Megabit möglich.
DSL ist noch weit verbreitet und bremst den Glasfasermarkt aus. Ufer hofft auf eine Gesetzesnovelle, um Druck auf die Telekom auszuüben, dass sie schrittweise ihr DSL abschaltet. Die Telekom hofft, dass ihre Kunden zu Glasfaser wechseln – allerdings möchte sie, dass diese sich für das eigene Glasfasernetz der Telekom entscheiden und nicht für das eines Wettbewerbers. Zum Wechsel zwingen möchte sie ihre Kunden jedoch nicht, da diese beleidigt reagieren könnten.
Die deutsche Gesetzesnovelle soll 2026 kommen. Der Druck könnte 2028 durch ein weitreichendes Regelnetzwerk der EU verstärkt werden.
Frederic Ufer ist zuversichtlich, dass die Nachfrage nach Glasfaser steigt. Glasfaser bietet die bestmögliche Übertragung. Die zu übertragenden Datenmassen werden aufgrund der zunehmenden Digitalisierung in Deutschland immer größer. Ein Grund dafür ist die zunehmende Nutzung von Künstlicher Intelligenz.





