Natur

UNESCO in Sorge ums Great Barrier Reef

Great Barrier Reef
UNESCO in Sorge ums Great Barrier Reef

Geheimnisvolle Meeresbewohner, faszinierende Korallenformationen und spektakuläre Seeanemonen: Das Great Barrier Reef gleicht wahrlich einem Wunder der Natur.
Doch wie es scheint, steht das große Riff vor einem Kollaps.

Drei verheerende Korallenbleichen

Innerhalb der vergangenen fünf Jahre erlebte das Great Barrier Reef drei verheerende Korallenbleichen. Die Industrialisierung hat an Küstenbereichen ebenfalls ihre Spuren hinterlassen. Nun droht der nächste Schicksalsschlag, da dessen Status als Welterbe zu wackeln scheint.

Experten befürchten, dass der rund 25 Millionen Jahre alte Touristenmagnet aufgrund ansteigender Wassertemperaturen schon bald vernichtet werden könnte.

Für diesen Wandel könnten die verheerenden Korallenbleichen ein deutliches Indiz sein.

Korallenbleiche Great Barrier Reef
Innerhalb der vergangenen fünf Jahre erlebte das Great Barrier Reef drei verheerende Korallenbleichen

Schlechte langfristige Aussichten

Seitdem hat sich die Lage eher verschlechtert als verbessert. Aus dem Grund möchte die UNESCO bei der nächsten Sitzung in Fuzhou in China darüber entscheiden, ob das Riff zukünftig auf der Liste gefährdeter Naturerbestätten platziert werden soll.

In den Augen der UN-Organisation haben sich langfristige Aussichten des Great Barrier Reef im Laufe der Zeit von „schlecht“ zu „sehr schlecht“ gewandelt. Doch bislang versuchte die australische Regierung, dieses Problem zu ignorieren.

Schlechte langfristige Aussichten für das Great Barrier Reef
Schlechte langfristige Aussichten für das Great Barrier Reef

Keine Spur von Klimawandel-Ambitionen

Ergänzend ist es nicht von der Hand zu weisen, dass Australien eine der höchsten CO2-Emissionsraten pro Kopf besitzt und als größter Kohleexporteur weltweit agiert.

Vor kurzer Zeit verkündete der australische Premier Scott Morrison sogar, die Gasindustrie in Zukunft noch weiter auszubauen.

Außerdem sollen rund 600 Millionen australischer Dollar in die Errichtung eines neuen Gaskraftwerks an der Ostküste investiert werden.

Drohen weitere Gefahren?

Während immer mehr Länder Maßnahmen zur Bekämpfung der Erderwärmung einleiten, möchte Australien offenbar so lange wie möglich an fossilen Brennstoffen festhalten. Eine Erwärmung der Erde ist die nötige Konsequenz. Doch die meisten Korallengärten vertragen keine Wärme. Der Effekt ist besonders tragisch bei komplexen Korallengärten wie dem Great Barrier Reef.

Wie WWF bereits im Januar dieses Jahres verlauten ließ, ist das Riff einem akuten Risiko ausgesetzt, zunehmend als Schiffs-Autobahn sowie Industriegebiet genutzt zu werden. Irreparable Riffschäden drohen, indem Kohlehäfen ausgebaut werden. Die Wasserverschmutzung ist ein weiteres Problem, das dem Riff deutlich schaden kann.

Fossile Brennstoffe
Während immer mehr Länder Maßnahmen zur Bekämpfung der Erderwärmung einleiten, möchte Australien offenbar so lange wie möglich an fossilen Brennstoffen festhalten

Schlimme Folgen für Korallenriffe

Bereits im Jahr 2018 wies der Weltklimarat IPCC darauf hin, dass bis zu 90 Prozent aller Korallenriffe weltweit bei einer globalen Temperaturerwärmung 1,5 Grad absterben könnten. Einer aktuellen Studie zufolge verlor das über 340.000 Quadratkilometer große Riff innerhalb von zwei Jahrzehnten über die Hälfte seiner Korallen. Bereits im Jahr 2014 drohte das Welterbekomitee der australischen Regierung erstmals damit, das Great Barrier Reef mit einer Gefährdungseinstufung zu kennzeichnen.

Daraufhin hatte die Regierung genügend Zeit, langfristige Konzepte vorzulegen.

Eine Konsequenz dessen war der 2015 vorgelegte „Reef 2050 Plan“. Investitionen bezogen sich auf das Riff-Management, in wissenschaftliche Vorhaben und Versuche zur Verbesserung der Wasserqualität. Aushub durfte im gesamten Gebiet nicht mehr abgeladen werden. Bislang war es üblich, das Baggergut regelmäßig in der Nähe des Great Barrier Reef abzukippen.

Die größte Bedrohung für Riffe

Doch diese Maßnahmen reichten längst nicht aus. Die UNESCO mahnte an, dass stärkere Verpflichtungen unerlässlich seien. Dieser Aussage widersprach Umweltministerin Susan Ley ganz klar. Sie betonte, dass der globale Klimawandel tatsächlich die größte Bedrohung für alle Riffe weltweit darstelle. Dennoch betrachtete es die Politikerin als falsch, das international „am besten gehandhabte Riff“ in die Liste gefährdeter Stätten aufzunehmen.
Ein weiterer Entscheidungsträger ist Warren Entsch als offizieller Riff-Botschafter der Regierung, der mehrere internationale Botschafter zum Great Barrier Reef zum Schnorcheln einlud.

Vermutlich hegte der Botschafter diesen Plan, um eine Herabstufung der Korallengärten zu vermeiden. Eine Herabstufung sei schließlich folgenschwer, da das Riff als Heimat mannigfaltiger Atolle und Inseln eine weltbekannte Touristenattraktion und dadurch auch ein deutlicher Wirtschaftsfaktor ist. Das Great Barrier Reef gelte sogar als wichtige Lebensgrundlage, von der im Bundesstaat Queensland über 64.000 Menschen profitieren.

Vom Touristenmagneten zur Mogelpackung?

Vor der Corona-Pandemie wurde das Riff alljährlich von etwa zwei Millionen Urlaubern besucht. Schätzungen von Spezialisten zufolge belief sich der Vermögenswert des Riffs auf umgerechnet 20 Milliarden Euro pro Jahr.

Bei schlechter Presse könnten sich diese Einnahmen jedoch wesentlich reduzieren.

Deshalb lässt die australische Regierung keine Bemühungen unversucht, um die angespannte Situation rund um das Reef zu vertuschen, betont Klimaexpertin Lesley Hughes von der Macquarie-Universität. Im Gegenzug könnte sich die Situation um die Verbrennung fossiler Brennstoffe noch einmal zusätzlich verschärfen. Die Bemühungen des Landes sind ihrer Meinung nach „bestenfalls als erbärmlich“ zu bewerten. Die nunmehr angekündigte UNESCO-Entscheidung könnte folgenschwere Konsequenzen haben. Befände sich das Riff nicht mehr auf der Welterbe-Liste, wäre diese Maßnahme für Australien demütigend und wirtschaftlich verheerend zugleich.