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Steinzeitmenschen waren eitel – Unsere Vorfahren legten Wert auf ihr Äußeres

Steinzeitschmuck
Steinzeitschmuck - Unsere Vorfahren legten Wert auf ihr Äußeres - Bild: © Reiner #352034282 – stock.adobe.com

Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse dürften gewiss den einen oder anderen überraschen. Heute heißt es, dass schon Jäger und Sammler in der Steinzeit besonders eitel gewesen sind. Unsere Vorfahren rasierten und kämmten sich nicht nur. Sie sollen sich sogar geschminkt und geschmückt haben. Darauf verweist der aus Wiesbaden stammende Wissenschaftsautor Ernst Probst in seinem beliebten Taschenbuch “Rekorde der Urzeit”.

Erste Schmuckstücke sind über 100.000 Jahre alt

In seinem Werk berichtet der Schriftsteller von uralten Schmuckstücken, die schon dem Zeitalter der späten Neandertalen stammen sollen. Heute schätzt man, dass dieser Schmuck ungefähr 115.000 bis 35.000 Jahre alt ist. Ein faszinierender Fund ist beispielsweise ein Fuchszahn mit kleiner Durchbohrung. In Baden-Württemberg entdeckten Forscher einen durchbohrten Schwanzwirbel des Wolfs oder einen durchbohrten Knochen des Wolfs.

Aus diesen Funden geht hervor, dass bereits einige Neandertaler Schmuck trugen.

Zudem ist nicht ausgeschlossen, dass bereits Schmuckstücke aus Holz, Geflechten, Leder oder Federn existierten, die schlichtweg nicht über einen solch langen Zeitraum erhalten bleiben konnten.

Anhänger aus Elfenbein und Tierzähnen

Älteste Schmuckstücke aus dem Zeitalter der Cro-Magnon-Menschen oder ersten Jetztmenschen stammen aus dem Aurignacien und sind ungefähr 35.000 bis 29.000 Jahre alt. Dieser Epoche aus der Altsteinzeit entstammen Anhänger aus Elfenbein, Ammoniten, Tierzähne des Steinbocks und Eisfuchses oder durchbohrte Schneckengehäuse. Diese Teile durchbohrten die Menschen einst, um diese als Anhänger zu tragen. Ähnliche Funde entdeckten Wissenschaftler ebenfalls in Deutschland, Österreich oder Frankreich. Einige der ältesten Schmuckstücke gehen ebenfalls auf das Aurignacien zurück und wurden schon vor mehr als 30.000 Jahren in Baden-Württemberg, im österreichischen Krems-Hundssteig, im Enzkreis oder in Königsbach-Stein entdeckt.

Einige der frühsten bislang gefundenen Anhänger von Tierzähnen sind Hinterlassenschaften des Eisfuchses und wurden in der Geißenklösterhöhle und Brillenhöhle bei Baden-Württemberg sowie im thüringischen Breitenbach entdeckt. Diese Zähne sind ungefähr 30.000 Jahre alt, ebenso wie vom Steinbock entdeckte durchbohrte Zähne.

Halsketten aus Höhlen

Auf die gleiche Zeit sind die ältesten Halsketten zurückzuführen, die ebenfalls in der Brillenhöhle bei Blaubeuren gefunden wurden. Hier stießen Forscher auf eine aus Elfenbeinanhängern angefertigte Halskette sowie Perlenschmuck, die dem Röhrenknochen des Schneehasens zugeordnet werden. Älteste Relikte von Schminkstiften sind aus Gräbern und Siedlungen der jüngeren Altsteinzeit Europas bekannt. Diese Funde sind vermutlich 35.000 bis 10.000 Jahre alt.

Diese Schminkstifte sind Rötel- oder Ockerstücke, die zu Pulver zerrieben und unter Beigabe von Fett oder Wasser zu einer Farbpaste vermengt wurden.

Ocker ist als eisenhaltige Tonerde mit braunem, gelbem oder rotem Farbton bekannt. Demgegenüber ist bei Rötel von einem Roteisenstein mit Farbgebungen von Gelb bis Dunkelrot die Rede. Heute gehen Prähistoriker davon aus, dass Jäger und Sammler aus der jüngeren Altsteinzeit die Farbe Rot als Symbol der Gesundheit, des Lebens, Blutes und der Festlichkeit interpretierten. Deshalb wurden verstorbene Menschen während der jüngeren Altsteinzeit häufig mit Rötel- oder Ockerpulver bestreut. Bei bestimmten Festlichkeiten wie einer Aufnahme von jungen Menschen in den Kreis der Erwachsenen bemalten unsere Vorfahren ihr Gesicht oder Körperteile ebenfalls mit den Farben.

Steinzeit Höhle
Einige der frühsten bislang gefundenen Anhänger von Tierzähnen sind Hinterlassenschaften des Eisfuchses und wurden in der Geißenklösterhöhle und Brillenhöhle bei Baden-Württemberg sowie im thüringischen Breitenbach entdeckt – Bild: © Gorodenkoff #311315748 – stock.adobe.com

Ein erstes Bewusstsein für Haarfrisuren

Erste Abbildungen von Frisuren sind heute auf Kunstwerken des Gravettien vor ungefähr 21.000 Jahren erkennbar. Ein Beispiel ist eine Darstellung eines kleinen Frauenkopfes, der eine tschechische Frau darstellt. Die aus Kalkstein geschaffene “Venus von Willendorf” lässt ebenfalls eine Frau mit einer bewusst gefertigten Frisur erahnen. Früheste Abbildungen bärtiger Männergesichter wurden im tschechischen Brünn entdeckt.

Historiker verweisen auf eine aus Mammutelfenbein angefertigte Männerfigur, die ungefähr 21.000 Jahre alt ist.

Diese Figur setzt sich aus mehreren Teilen wie einem bärtigen Kinn, Armen und Beinen zusammen. Älteste Beweise für glattrasierte Männergesichter gehen auf das Madgalénien vor ungefähr 11.500 Jahren zurück. Diese Abbildungen bartloser Männer aus dem deutschen Gönnersdorf stehen Motive mit Männergesichtern mit Bart gegenüber. Diese Abbildungen lassen erkennen, dass ein einheitliches Modeideal zur damaligen Zeit nicht existierte.

Kämme und Toilettenpapier

Erste Kämme sind skandinavischen Ursprungs. Diese aus Knochen angefertigte kammähnliche Geräte wurden während der Mittelsteinzeit um 8.000 v. Chr. angefertigt. Die ersten Kämme auf deutschem Boden entdeckten Forscher in Gräbern der Linienbandkeramischen Kultur vor über 5.000 v. Chr. in Bayern. Diese Kämme steckten in beiden Fällen den Haarschopf durch einen Knochenkamm im Nacken zusammen.

Der Blick in die Geschichtsbücher verrät, dass sich unsere Vorfahren sogar Schminkservices bedienten. Vor ungefähr 7.000 Jahren wandten Männer und Frauen in Europa bereits Rötel- und Feuersteinknollen, den Knochenspachtel oder Schminkplatten aus Stein an. Älteste Funde von Toilettenpapier werden auf die Zeit um 4.000 v. Chr. terminiert. Fundort ist eine Seeufersiedlung am Bodensee, deren Einwohner Überreste von Moospolstern als Toilettenpapier nutzten. In den folgenden Jahrtausenden entdeckten Steinzeitmenschen ebenfalls aus Öl und Pottasche gewonnene Seifen, aus Bronze gegossene Spiegel oder Rasiermesser für sich.

Auf Pinzetten folgten Klappspiegel

Die mittlere Bronzezeit gilt heutzutage als der Zeitpunkt, zu dem Menschen um 1.600 v. Chr. erstmals lästige Haare mithilfe von Pinzetten beseitigten. Erste aus Eisen angefertigte Rasiermesser wurden um 600 v. Chr. während der Hallstatt-Zeit konzipiert und fanden insbesondere unter Kelten großen Anklang. Die ältesten Klappspiegel gehen auf die Zeit um 450 v. Chr. zurück und basieren auf einer Idee etruskischer Metallhandwerker. Diese aus Bronze angefertigten Spiegel sind auf der Rückseite mit mythologischen Darstellungen graviert.

Die ersten Glasspiegel wurden um 300 v. Chr. im heutigen Libanon entdeckt.

Allerdings waren diese Schmuckstücke vor allem wohlhabenden Menschen vorbehalten. In Mitteleuropa entdeckte Bronzespiegel stammen aus der gleichen Zeit. Diesen Kostbarkeiten gehören ein frühkeltischer Spiegel aus Hessen oder ein weiterer Fund aus dem Saarland an. Beide Spiegel besitzen ein Spiegelscheibe, die jeweils eine menschliche Figur aus Bronze mit erhobenen Armen hält.