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Wirtschaftsspionage: Risiken für Unternehmen

Wirtschaftsspionage: Risiken für Unternehmen
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Schätzungsweise entstehen der deutschen Wirtschaft jährlich durch Wirtschaftsspionage und Datendiebstahl Schäden von ungefähr 289,2 Milliarden Euro. Große Konzerne sind ebenso betroffen wie kleine und mittelständische Betriebe sowie Forschungseinrichtungen. Die Täter spähen sensible Unternehmensdaten aus und nutzen die verschiedensten Angriffsarten.

Was ist Wirtschaftsspionage?

Wirtschaftsspionage bezeichnet das unbefugte Beschaffen von geistigem Eigentum, geschützten Informationen oder Geschäftsgeheimnissen eines Unternehmens ohne dessen Einverständnis. Diese Informationen können an eine andere Partei weitergegeben werden, die sich dadurch einen kommerziellen oder wirtschaftlichen Vorteil verschafft.

Um an Informationen zu gelangen, bedienen sich die Kriminellen einfacher, aber auch komplexer Mittel. Angriffe auf die IT-Infrastruktur werden mit nicht-digitalen Angriffsmitteln kombiniert. Zu den nicht technischen Angriffsmitteln gehören die elektronische und die menschliche Ausspähung, Social Engineering oder das Abhören vertraulicher Gespräche. Um erfolgreich gegen Wirtschaftsspionage vorzugehen, kommt es somit auch auf den Schutz vertraulicher Gespräche an.

Von Wirtschaftsspionage können die verschiedensten Branchen betroffen sein.

Am häufigsten betroffen sind Entwickler von Computersoftware, Hersteller von Technologieprodukten, Luft- und Raumfahrtunternehmen, Biotechnologie, Chemie, Einzelhandel und der Finanzsektor.

Betriebsgeheimnisse und sensible Daten werden enthüllt und gestohlen. Wirtschaftsspionage liegt auch vor, wenn Mitarbeiter, die mit der Erstellung und Nutzung von Geschäftsgeheimnissen beschäftigt sind, solche Geheimnisse an Dritte weitergeben.

Was ist Wirtschaftsspionage
Wirtschaftsspionage bezeichnet das unbefugte Beschaffen von geistigem Eigentum, geschützten Informationen oder Geschäftsgeheimnissen eines Unternehmens ohne dessen Einverständnis – Foto: © Andrey Popov #1871875434 – stock.adobe.com

Arten von Wirtschaftsspionage

Wirtschaftsspionage kann in verschiedenen Formen erfolgen. Am häufigsten handelt es sich um die Aneignung geistigen Eigentums und den Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen.

Bei der Aneignung geistigen Eigentums werden Ideen, Informationen und einzigartige Erfindungen aus finanziellen oder anderen Gründen von Kriminellen ausgespäht. Die Übernahme von geistigem Eigentum durch Dritte kann zu einer gefährlichen Bedrohung werden, da sich Diebe damit einen Wettbewerbsvorteil verschaffen können.

Eine weitere häufige Art der Wirtschaftsspionage ist der Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen. Solche Geschäftsgeheimnisse haben einen potenziellen wirtschaftlichen Wert für ihre Besitzer.

Da Geschäftsgeheimnisse von Mitarbeitern erstellt und zwischen ihnen ausgetauscht werden, ist ihr Schutz besonders anspruchsvoll. Geschäftsgeheimnisse können in Textnachrichten, Browserverläufen, persönlichen Laufwerken und E-Mails enthalten sein.

Arten von Wirtschaftsspionage
Wirtschaftsspionage kann in verschiedenen Formen erfolgen – Foto: © ultramansk #1755247545 – stock.adobe.com

Angriffsarten bei Wirtschaftsspionage

Täter nutzen bei der Wirtschaftsspionage die verschiedensten Angriffsarten und entwickeln dabei auch neue Technologien, um an sensible Informationen von Unternehmen zu gelangen. IT-Angriffe werden mit nicht-digitalen Angriffen kombiniert.

Insider-Bedrohungen erfolgen unerwartet und können böswillig, aber auch zufällig sein. Sie können lange unentdeckt bleiben. Böswillige Mitarbeiter, menschliches Versagen oder das Umgehen von Sicherheitsvorgaben können solche Bedrohungen darstellen. Häufig haben diejenigen, durch die solche Bedrohungen entstehen, autorisierten Zugriff auf wichtige Informationen. Auch ausscheidende oder nachlässige Mitarbeiter können eine solche Bedrohung darstellen.

Unerlaubter Zugriff ist eine häufige Form der Wirtschaftsspionage. Ohne Erlaubnis verschaffen sich Personen beispielsweise Zugang zu Daten, Anwendungen, Geräten und Netzwerken über das Internet. Mit den erlangten Informationen verschaffen sie sich weiteren Zugang oder beeinträchtigen Netzwerke.

Mit SQL-Injektionen werden SQL-Codes verwendet, um an nicht autorisierte Informationen zu gelangen oder Backend-Datenbanken zu manipulieren. Datenbanken können von den Angreifern eingesehen und verändert werden.

Eine Methode der Wirtschaftsspionage sind Phishing-Angriffe. Mit E-Mails, die täuschend echt wirken und einen Link oder ein Dokument als Anhang enthalten, kann Schadsoftware in Unternehmen eingeschleust werden. Solche E-Mails können auch dazu führen, dass Mitarbeiter sensible Daten preisgeben.

Wirtschaftsspionage auf globaler Ebene

Wirtschaftsspionage stellt nicht nur innerhalb eines Landes ein erhebliches Risiko für Unternehmen dar. Sie kann auch auf globaler Ebene erfolgen und zu einer ernsthaften Bedrohung werden.

Manche Staaten nutzen Wirtschaftsspionage als strategisches Instrument zur Stärkung nationaler Unternehmen und um Schlüsselindustrien zu dominieren oder technologische Rückstände aufzuholen. Branchen mit hoher Innovationskraft sind am häufigsten von solchen Angriffen betroffen.

Wirtschaftsspionage auf globaler Ebene
Wirtschaftsspionage stellt nicht nur innerhalb eines Landes ein erhebliches Risiko für Unternehmen dar – Foto: © harit #2126379141 – stock.adobe.com

Wie Unternehmen Wirtschaftsspionage verhindern können

Seit 2019 regelt das Geschäftsgeheimnisgesetz (GeschGehG) den rechtlichen Schutz von Geschäftsgeheimnissen. Voraussetzung dafür ist, dass Unternehmen angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen treffen.

Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und das IT-Sicherheitsgesetz regeln darüber hinaus die spezifischen Anforderungen an Unternehmen mit hohem Datenvolumen und an Betreiber kritischer Infrastrukturen.

Mit verschiedenen vorbeugenden Maßnahmen können sich Unternehmen vor Wirtschaftsspionage schützen.

Mit Richtlinien können Mitarbeiter über die richtige Weitergabe von Unternehmensdaten informiert werden. Häufig werden vertrauliche Unternehmensinformationen von Mitarbeitern aus Unwissenheit weitergegeben.

Die Richtlinien sollten für alle Mitarbeiter, Geschäftspartner und Auftragnehmer zugänglich sein.

Jeden Tag gehen Mitarbeiter mit sensiblen Unternehmensinformationen um. Sie nutzen mitunter Abkürzungen, um ihre Aufgaben schneller zu erledigen. Dabei handeln sie nicht böswillig, doch können sie trotzdem ohne ausdrückliche Genehmigung die Informationstechnologie nutzen.

Sicherheitsteams sollten in der Lage sein, zwischen Unwissenheit und böswilliger Absicht zu unterscheiden, und entsprechend reagieren.

Regelmäßig müssen Risikobewertungen durchgeführt werden, um Schwachstellen aufzudecken und die entsprechenden Maßnahmen zu treffen. Mit gründlichen Bewertungen können die Bedrohungsakteure aufgedeckt werden. Bei der Risikobewertung können Unternehmen ihre Schwächen, aber auch Stärken identifizieren und die notwendigen Anpassungen vornehmen.

Krisenmanagement zur Bekämpfung von Wirtschaftsspionage

Ergänzend zu diesen präventiven Maßnahmen kommt es bei der Bekämpfung von Wirtschaftsspionage auch auf ein gutes Krisenmanagement an. Krisenmanagement ist Aufgabe der Geschäftsleitung. Dabei geht es darum, frühzeitig bestandsgefährdende Entwicklungen zu erkennen.

Abhängige Lieferketten, aggressive Spionagepraxis und geopolitische Spannungen stellen Risiken für die Sicherheit von Unternehmen dar und müssen rechtzeitig erkannt und bekämpft werden.

Zum Krisenmanagement gehören die Berücksichtigung von gefährlichen Szenarien wie Ausfällen in der Lieferkette, längerfristige Infiltration von Netzen und gezielte Datendiebstähle, aber auch die Festlegung von konkreten Zuständigkeiten und Entscheidungswegen. Notfalloptionen müssen erarbeitet werden. So lässt sich das Risiko für Unternehmen spürbar senken, auch wenn ein hundertprozentiger Schutz vor Wirtschaftsspionage nicht erreichbar ist.