Wird es bald orbitale KI-Rechenzentren geben?

KI-Rechenzentren haben einen immensen Strombedarf, der die Netzbetreiber in den USA zunehmend an ihre Grenzen bringt. Rechenzentren im Orbit könnten nahezu 24 Stunden am Tag mit Solarenergie betrieben werden.
Da das US-amerikanische Raumfahrtunternehmen SpaceX seit Juni 2026 an der Börse notiert ist und orbitale Rechenzentren zu einem wesentlichen Bestandteil seiner Investoren-Story gemacht hat, wird die Idee prominenter – ob sie jedoch bald Wirklichkeit wird, ist unter Experten umstritten. SpaceX und Google verhandeln angeblich über eine Zusammenarbeit, berichtet das Wall Street Journal.
Verlagerung der Stromversorgung von KI-Rechenzentren ins All?
Der Stromverbrauch von KI-Rechenzentren steigt immer weiter an. An eine Verlagerung ins All denken immer mehr Tech-Unternehmen, insbesondere in den USA.
Einige Experten stehen diesen Plänen skeptisch gegenüber.
Die frühere stellvertretende Direktorin der NASA, Rebekah Reed, argumentiert in einem Essay für die Financial Times, dass es vermutlich noch Jahrzehnte dauern könnte, bis eine praktische Umsetzung möglich ist. Sie hält jahrelange intensive Forschung und Entwicklung für nötig.
Steigender Ressourcenverbrauch heizt politische Debatten an
Politische Debatten werden durch den steigenden Verbrauch an Ressourcen der KI-Rechenzentren angeheizt. Gegenwärtig sind bereits mehr als 130 solcher Rechenzentren im US-Bundesstaat New York angesiedelt. Weitere solcher Projekte sind in Planung oder befinden sich bereits im Bau.
Laut Angaben eines Energieversorgers sollen dafür ungefähr zehn Gigawatt zusätzlicher Strombedarf an das Netz gehen. Das wirft Fragen bezüglich Umweltfolgen, steigender Kosten für die Konsumenten und Netzstabilität auf.
Im Februar 2026 wurde von Abgeordneten in New York ein Gesetzesentwurf eingebracht, der zum Ziel hatte, neue Rechenzentren für mindestens drei Jahre zu stoppen. Im Juni beschloss das Parlament schließlich ein einjähriges Moratorium für Anlagen mit einer Leistung von 20 Megawatt oder mehr. Gouverneurin Kathy Hochul unterzeichnete dieses Gesetz nicht. Stattdessen erließ sie am 14. Juli 2026 eine eigene Verordnung, die Genehmigungen für Rechenzentren ab 50 Megawatt für bis zu ein Jahr aussetzt. Damit ist New York der erste US-Bundesstaat, der ein landesweites Moratorium eingeführt hat. Unter anderem wurden entsprechende Initiativen in Georgia, Vermont, Virginia, Maryland und Oklahoma vorgeschlagen.

Pläne von SpaceX zu Rechenzentren im Orbit
Elon Musk, der CEO des US-amerikanischen Raumfahrtunternehmens SpaceX, hat Pläne für Rechenzentren im Orbit. SpaceX stellte im Januar 2026 bei der US-Telekommunikationsbehörde FCC einen Antrag, bis zu eine Million Satelliten in die Erdumlaufbahn zu bringen. Musk wird die Betriebskosten durch Systeme, die auf Solarenergie basieren, erheblich reduzieren.
Mit dieser Idee ist Elon Musk nicht allein. Auch der Gründer von Amazon, Jeff Bezos, und Google denken daran, den zunehmenden Bedarf an Energie von KI-Anwendungen durch Energie aus dem All zu decken.
Google kündigte Anfang November 2025 die Planung von KI-Rechenzentren im All an. Serverfarmen sollen im Rahmen von Project Suncatcher ins Weltall verlegt und rund um die Uhr mit Solarstrom versorgt werden.
Laut Wall Street Journal führt Google Verhandlungen mit SpaceX und anderen Raketenstartanbietern über den Transport ins All. Das langfristige Konzept sieht Cluster von jeweils 81 eng zusammenfliegenden Satelliten vor, aber Google testet zunächst Prototypen, die es zusammen mit dem Satellitenbetreiber Planet entwickelt. Der erste dieser vier KI-Chips von Google wurde am 1. Oktober 2026 an Bord einer SpaceX-Rakete gestartet und arbeitet nach Angaben des Unternehmens wie geplant. Im Jahr 2027 soll ein Test mit zwei Satelliten durchgeführt werden. Google ist seit 2015 an SpaceX beteiligt. Damals tätigte Google eine Investition in SpaceX in Höhe von 900 Millionen US-Dollar. Ende 2025 besaß der Konzern etwa sechs Prozent der Anteile.
Die Verhandlungen zwischen SpaceX und Google über Rechenzentren im Orbit laufen hinter verschlossenen Türen. Orbitalen KI-Rechenzentren sieht Elon Musk ein weiteres Geschäftsmodell für seinen Konzern, das bereits in den Investorenpräsentationen vor dem Börsengang im Juni 2026 eine wichtige Rolle spielte.
Herausforderungen in der wirtschaftlichen und technischen Machbarkeit
Herausforderungen bestehen für viele Experten in der wirtschaftlichen und technischen Machbarkeit der KI-Rechenzentren im All. Auch Rebekah Reed, die heute an der Harvard University tätig ist, sieht darin Probleme. Die stellvertretende Direktorin des Programms für neue Technologien, wissenschaftlichen Fortschritt und globale Politik spricht davon, dass es noch viele Jahre oder Jahrzehnte dauern wird, bis orbitale Rechenzentren möglich sind.
Die Wissenschaftlerin weist darauf hin, dass bereits der Transport der dafür erforderlichen Infrastruktur in den Orbit hohe Kosten verursacht.
Die Startkosten dürften 200 US-Dollar pro Kilogramm nicht überschreiten, damit diese Rechenzentren wirtschaftlich und profitabel werden. Sie spricht davon, dass diese Schwelle wahrscheinlich erst Mitte der 2030er Jahre erreichbar ist.
Rebekah Reed sieht auch in den Wartungsfragen Probleme. Es kommt auf eine hochentwickelte Wartung im All oder die Akzeptanz von nachlassender Leistung an. Das gestrandete Kapital würde dann zu Weltraummüll werden, wenn die Komponenten ausfallen. Nicht zu vergessen ist die Belastung der Umwelt durch die Schadstoffe, die beim Verglühen der Satelliten freigesetzt werden.
Im Zusammenhang mit den langfristigen Umweltfolgen verweist Rebekah Reed auf Studien von Forschern der Universität des Saarlandes. Laut dieser Studien könnte der CO2-Fußabdruck von Rechenzentren im All höher ausfallen als von Anlagen auf der Erde, insbesondere im Hinblick auf Start und Entsorgung.
Belastung der Erdumlaufbahn durch zusätzliche Satelliten
Probleme sehen Experten in den hohen Emissionen beim Start und Wiedereintritt der Satelliten in die Atmosphäre. Die zahlreichen zusätzlichen Satelliten könnten zu einer starken Belastung der Erdumlaufbahn führen. Das Risiko von Weltraumschrott und Kollisionen steigt.
Rebekah Reed spricht von einer Beeinträchtigung des Nachthimmels durch die Skalierung von Rechenzentren aufgrund der steigenden terrestrischen Nachfrage. Sie sieht ein Problem in der Beschleunigung der Überlastung. Es ist daher unwahrscheinlich, dass der steigende Strombedarf durch orbitale KI-Rechenzentren gelöst werden könnte.





