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Aberglaube: Kein Wäschewechsel zwischen den Jahreszeiten

Wäschewechsel zwischen den Jahreszeiten
Aberglaube: Kein Wäschewechsel zwischen den Jahreszeiten

Zwischen Weihnachten und Neujahr keine Wäsche waschen: Dieser Aberglaube hält sich seit vielen Generationen. Doch woher kommt dieser Brauch?

Ein alter heidnischer Brauch

Nach den Weihnachtsfeiertagen ist es gang und gäbe, dass sich die Festtags-Kleidung zwischen unzähligen Handtüchern, Servietten und Tischdecken türmt.

Doch ein Aberglaube besagt, dass die Wäscheberge erst im neuen Jahr in der Waschmaschine landen dürfen.

Andernfalls droht unter Umständen etwas Schlimmes. Dieser Brauch überträgt sich in vielen Familien von Generation zu Generation. Flattern zwischen Weihnachten und Silvester die Laken, dann – so heißt es – droht ein Unglück wie der Tod eines Angehörigen.
Doch die meisten Menschen wissen gar nicht, dass hierbei von einem alten heidnischen Brauch die Rede ist, der sich über Jahrhunderte hinweg in christlicher Tradition hielt.

Ein alter heidnischer Brauch
Ein alter heidnischer Brauch – Bild: © trompinex #167704358 stock.adobe.com

Die längsten Nächte des Jahres

Um den Jahreswechsel herum werden die längsten Nächte des Jahres verzeichnet. Diese Zeit wird deshalb in vielen Teilen Deutschlands als Rauhnächte bezeichnet. Hierbei ist von den zwölf Tagen zwischen dem 25. Dezember und 6. Januar die Rede.
Einer heidnischen Tradition zufolge zählt aber auch schon die tatsächlich kürzeste Nacht in diesen Zeitraum, die vom 20. auf den 21. Dezember folgt. Diese Nacht wird als Thomasnacht bezeichnet.

Die längsten Nächte des Jahres
Um den Jahreswechsel herum werden die längsten Nächte des Jahres verzeichnet – Bild: © sjredwin1 #309311690 stock.adobe.com

Eine gute Zeit für Wahrsagungen

Einem Volksglauben zufolge wird den Rauhnächten eine mystische Bedeutung zugesagt. Es heißt, dass sich die Nächte aufgrund verschwimmender Grenzen zwischen Diesseits und Jenseits hervorragend für Wahrsagungen eignen. Deshalb hat sich auch die Tradition des Bleigießens an Silvester bewährt.

Weiterhin glauben viele Menschen, dass in den Rauhnächten die Tore des Geisterreichs offen stehen.

Demzufolge erfolgt am Himmel eine sogenannte Wilde Jagd, die erstmals in Jacob Grimms „Deutscher Mythologie“ im Jahr 1835 erwähnt wurde. Allerdings tauchte die Jagd in ihrer ursprünglichen Erzählform schon in mittelalterlicher Literatur auf.

Eine Jagd mit Dämonen und Geistern

Der Erzählung zufolge hetzen die Seelen der Toten während der Jagd gemeinsam mit Dämonen und Geistern über den Himmel. Wer bei diesen Geschehnissen hautnah dabei ist, muss mit Unheil wie Tod oder Krieg rechnen. Einige werden sogar mitgerissen und werden somit fester Bestandteil des tragischen Schauspiels. Deshalb ist es auch üblich, an Silvester Lärm zu erzeugen. Dadurch sollen die Jäger im Himmelsreich vertrieben werden.

Der Brauch, in dem Zeitraum keine Wäsche zu waschen, geht ebenfalls auf die unheimliche Wilde Jagd zurück. Als problematisch wird allerdings nicht das Waschen, sondern das Aufhängen der Wäsche betrachtet. Laut einem Volksglauben heißt es, dass weiße Leinentücher im Zuge der Jagd gestohlen und in Leichentücher verzaubert werden.

Jagd mit Dämonen und Geistern
Der Erzählung zufolge hetzen die Seelen der Toten während der Jagd gemeinsam mit Dämonen und Geistern über den Himmel – Bild: © jozefklopacka #448415845 stock.adobe.com

Geister verfangen sich in aufgehängter Wäsche

Schenkt man einer anderen Erzählung Glauben, verfangen sich die Geister in der aufgehängten Wäsche und fühlen sich deshalb provoziert. Besonders gefährdet sind Frauen.

Denn dem Glauben zufolge fallen die Geister schon über die Frauen her, wenn diese die Wäsche aufhängen.

Da die Rauhnächte bis zum 6. Januar andauern, ist das Waschen eigentlich auch erst danach wieder gestattet – und nicht schon am Neujahrstag.

Mit Weihrauch die bösen Geister abwehren

Übrigens sollten Menschen der Sage zufolge in dieser Zeit nicht nur vom Wäschewaschen ablassen. In einigen Regionen ist es außerdem üblich, die eigenen vier Wände besonders sauber zu halten und durch Weihrauch die bösen Geister abzuwehren. Für Menschen dieser Gebiete ist es außerdem üblich, bei Dunkelheit nicht mehr die Straße zu betreten.

Übrigens soll die Himmelsjagd alten Überlieferungen zufolge in vier Nächten besonders wild sein. Diese Termine gelten für die Thomasnacht vom 20. auf den 21. Dezember, an Heiligabend vom 24. auf den 25. Dezember, an Silvester vom 31. Dezember auf den 1. Januar sowie in der Epiphaniasnacht vom 5. auf den 6. Januar. Wer in dem Zeitraum nicht auf Wäschewaschen verzichten und kein Risiko eingehen möchte, sollte der Hausarbeit lieber an den anderen Tagen nachgehen.


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