Technik

EU-Einheitliche Handy-Ladebuchse ist bald spruchreif

Ladekabel für Handys
EU-Einheitliche Handy-Ladebuchse ist bald spruchreif

Ladekabel für Kopfhörer, Computer oder das Smartphone: In deutschen Haushalten wimmelt es vor Kabeln. Dieses Kabelchaos entsteht, weil für jedes Gerät ein anderes Kabel erforderlich ist.

Neue Pläne durch die EU-Kommission

Ein besonderer Problemfall ist der iPhone-Konzern Apple, durch dessen besonderer Lightning-Anschluss der Wunsch nach einer einheitlichen Lösung in weite Ferne rückt.

Doch die EU-Kommission plant dennoch ein einheitlich einsetzbares Kabel.

Die in Brüssel ansässige Institution möchte deshalb in wenigen Tagen einen Gesetzesvorschlag für Einheits-Ladebuchsen für Elektrogeräte vorschlagen.

Lightning Anschluss Iphone
Ein besonderer Problemfall ist der iPhone-Konzern Apple, durch dessen besonderer Lightning-Anschluss der Wunsch nach einer einheitlichen Lösung in weite Ferne rückt

Keine einheitliche Lösung: Mögliche Gründe

Auch wenn unterschiedliche Ladebuchsen und Ladekabel vielen Verbrauchern Sorgenfalten aufs Gesicht zaubern, hat sich die Situation in den vergangenen Jahren bereits deutlich verbessert. Vor einigen Jahren einigten sich 14 Handyproduzenten bereits darauf, im Zuge einer Selbstverpflichtung einen Einheitsstandard für Netzteile einzuführen. Bei für Smartphones und Tablet-PCs verwendete Buchsen blieben letztendlich drei Modelle übrig – der dünne Lightning-Anschluss von Apple, das Micro-USB und modernere USB-C.

Apple möchte jedoch nicht vollständig auf seinen Standard verzichten. Ein Großteil der Konkurrenz – darunter Motorola, OnePlus, Samsung und Xiaomi – nutzt mittlerweile zumeist USB-C Buchsen.

Lightning Micro-USB und USB-C
Bei für Smartphones und Tablet-PCs verwendete Buchsen blieben letztendlich drei Modelle übrig – der dünne Lightning-Anschluss von Apple, das Micro-USB und modernere USB-C

Zukünftige Pläne der EU-Kommission

Ginge es nach dem Standpunkt der EU-Kommission, wird der allgemeine USB-C für Buchsen der Geräte zum Standard.

Zusätzlich sollen Verbraucher nicht mehr dazu verpflichtet werden, beim Erwerb eines neuen Smartphones automatisch ein neues Netzteil zu kaufen.

Diesen Vorschlag möchte die EU-Kommission in einer Richtlinie vornehmen.  Daraufhin soll der Entwurf vom Europaparlament und anderen EU-Staaten verhandelt werden. Doch die Forderung kommt verspätet, da Hersteller wie Samsung oder Apple die Geräte mittlerweile ohne Netzteil ausliefern.

Neue Regeln für diese Geräte?

Die Richtlinien sollen für sechs Geräte-Kategorien gelten. Dazu gehören Kopfhörer, Handys, Lautsprecher, Tablets, Kameras sowie tragbare Konsolen.

Details zum aktuellen Vorstoß

Aktuell wird die EU-Kommission aktiv, da einheitliche Ladebuchsen den Umgang mit Kabeln für Verbraucher erleichtern.

Zudem sollen durch diese Maßnahmen ebenfalls große Mengen an Elektroschrott vermieden werden.

Deshalb wird die Idee von der kommunalen Abfallwirtschaft auch ausdrücklich begrüßt. Wie ein Sprecher des Verbands kommunaler Unternehmen bestätigt, ist Kabelchaos weder verbraucherfreundlich, noch umweltschonend.

Gegenwind von Apple

Nichtsdestotrotz besteht Apple darauf, auch in Zukunft seinen Lightning-Anschluss zu verwenden. Dieser Anschluss kommt im aktuellen iPad 9, bei AirPod-Kopfhörern sowie bei einigen Tablet-Modellen zum Einsatz. Zu Beginn setzte Apple den Anschluss ein, um sehr flache sowie staub- und wasserdichte Geräte zu erbauen. Diesen Anspruch konnte das USB-C damals noch nicht erfüllen. Doch mittlerweile gibt es für das USB-C ebenfalls eine brauchbare Alternative, die sogar Apple zum Teil nutzt.

Lightning Anschluss
Nichtsdestotrotz besteht Apple darauf, auch in Zukunft seinen Lightning-Anschluss zu verwenden

Für Laptops setzt Apple mittlerweile ebenfalls den USB-C Anschluss ein. Für Netzteile ist USB-C sogar Standard. Wird Apple deshalb zur Abschaffung der Lightning-Buchse gezwungen, entstünden wieder riesige Berge an Elektroschrott. Erschwerend kommt jedoch hinzu, dass Apple mit der Nutzung des Lightning-Anschlusses auch wirtschaftliche Zwecke verfolgt. Wichtigstes Beispiel ist das Programm „Made for iPhone/iPad“, in dessen Rahmen Dritthersteller ihre Waren im MFI-Programm zertifizieren lassen müssen.

Ausblick in die Zukunft

Im nächsten Schritt müssen sich das Europaparlament und EU-Staaten mit dem von der EU-Kommission vorgelegten Vorschlag auseinandersetzen. Daraufhin ist es wichtig, einen gemeinsamen Konsens zu finden.
Großer Druck dürfte in erster Linie vom Parlament ausgehen, das schon seit längerer Zeit auf einheitliche Ladekabel besteht.

Nach einer Einigung zwischen den EU-Staaten sowie dem EU-Parlament haben alle Staaten noch ein Jahr lang Zeit, um die neuen Richtlinien in ihr nationales Recht zu integrieren. Wie die Behörde außerdem betonte, müsste der Kommissionsvorschlag noch eine mindestens zweijährige Übergangsfrist für Unternehmen berücksichtigen.
Aus dem Grund ist die einheitliche Ladebuchse für Unternehmen vermutlich ab frühestens 2024 verpflichtend. Dadurch entstehende Probleme dürften für viele Anbieter dennoch nur von untergeordneter Natur sein. Schließlich werden die Handys immer häufiger ohne Kabel offeriert.