Finanzen

Hohe Dispozinsen – Ist das Ende der Krisenzinsen gekommen?

Hohe Dispozinsen - Ist das Ende der Krisenzinsen gekommen?
Hohe Dispozinsen - Ist das Ende der Krisenzinsen gekommen?

Einige Banken reduzierten in Zeiten der Corona-Krise die Zinssätze für ein Überziehen ihres Girokontos deutlich. Allerdings gehört diese Maßnahme vermutlich bald der Vergangenheit an. Möglicherweise müssen sich einige Bankkunden sogar auf eine Verdoppelung der Zinsen auf über zehn Prozent einstellen.

Dispozinsen wurden mittlerweile wieder erhöht

Mittlerweile haben sich zahlreiche Sparkassen und Banken in Deutschland entschieden, die durch die Corona-Krise für Privatkunden heruntergesetzten Dispozinsen wieder den Vorkrisenwerten anzupassen. Diese Maßnahme bedeutet für einige Kunden eine Verdoppelung der Zinssätze, welche die Institute für die Überziehung des Girokontos im vereinbarten Rahmen einforderten.

Das hat zur Folge, dass der Grenzwert von zehn Prozent vermutlich häufig wieder überschritten wird. Auch wenn die Corona-Krise aktuell eigentlich noch andauert, sprachen sich zahlreiche Finanzinstitute gegen eine Verlängerung dieser Regelung aus. Mehrere Institute passten die Zinsen bereits im Juli, andere Banken im August an.

Eine finanzielle Erleichterung für Privatkunden

Die vorübergehende Reduzierung der Dispozinsen begründeten die Kreditinstitute damit, ihren zum Teil stark von der Corona-Krise belasteten Kunden eine finanzielle Erleichterung zu verschaffen. Damals vertraten die Finanzexperten den Standpunkt, dass Menschen ihren Dispositionskredit umso mehr nutzen müssten, je stärker die wirtschaftliche Lage angespannt ist. Deshalb sollten Bestandskunden in diesem Bereich entlastet werden.

An dieser Initiative beteiligten sich jedoch längst nicht alle Banken.

Noch nicht einmal Verbände der Kreditwirtschaft konnten sich auf einen bundesweiten Aufruf einigen.

Mittlerweile möchten beteiligte Banken diesen Schritt nun auch rückgängig machen.

Die Frankfurter Sparkasse als Vorreiter

Die Frankfurter Sparkasse galt als eines der ersten Finanzinstitute, dass die Dispozinsen in der Corona-Krise nach unten korrigierte. Anfang Juli kehrte die Bank wiederum auf das Vorkrisenniveau zurück. Für den Zeitraum vom 1. April bis 30. Juni wurde der Dispozins für Bestandskunden auf 4,99 Prozent gesenkt. Mittlerweile wurde der Zinssatz wieder dem vorherigen Niveau von 10,49 Prozent angepasst. Anfang August hob die genossenschaftliche VR Bank Coburg die Zinsen für den Dispositionskredit ebenfalls wieder an. Der vom 1. Mai bis 31. Juli gültige Zinssatz betrug 4,75 Prozent und beträgt jetzt 6,75 Prozent je Jahr.

Weitere Vertreter sind die Sparkasse Neubrandenburg-Demmin aus Mecklenburg-Vorpommern oder die Sparkasse Münsterland-Ost. Doch all diese Finanzinstitute haben die Zinssätze für den Dispokredit mittlerweile wieder erhöht.

Die Taunus-Sparkasse setzt die Niedrigzins-Strategie fort

Als Ausnahme gilt die Taunus-Sparkasse aus Bad Homburg. Diese Institution möchte ihren Kunden auch zukünftig noch entgegenkommen.

Oliver Klink als Vorstandsvorsitzender des Instituts ließ erst vor wenigen Tagen verlauten, dass man nicht so tun müsse, als sei die Corona-Krise bereits überstanden.

Deshalb sprach sich Klink dafür aus, die Dispozinsen bis Ende Dezember 2020 auf dem reduzierten Zinsniveau zu belassen. Die Taunus-Sparkasse reduzierte die Dispozinsen aufgrund der Corona-Krise von knapp zehn auf nunmehr fünf Prozent.

Kritik vonseiten der Organisation “Finanzwende”

Grünen-Bundestagsabgeordneter Gerhard Schick äußerte sich über die erneute Erhöhung der Dispozinsen ebenfalls kritisch. Julian Merzbacher von der Organisation “Finanzwende” ging sogar noch einen Schritt weiter und bezeichnete die kurzzeitige Senkung der Dispositionszinsen als Marketing-Gag.

Diesbezüglich betonen die Vertreter der “Finanzwende”, dass viele Haushalte die Corona-Krise noch längst nicht überstanden haben. Während Millionen an Menschen zu Beginn der Krise noch von ihren finanziellen Reserven zehren konnten, falle die Corona-Krise für sie inzwischen noch deutlicher ins Gewicht. Insbesondere kurzfristige überraschende finanzielle Belastungen würden die Haushalte besonders schwer belasten.

Andere Maßnahmen durch Banken aus dem Saarland

Zu diesem Thema äußerten sich auch die Banken, die ihre Dispozinsen in Zeiten der Corona-Krise nicht herabsetzten. Ihrer Meinung nach könnten die Krisenprobleme durch diese Maßnahme nicht gelöst werden, da sich die Zinssenkung für jeden einzelnen Kunden nur in geringem Ausmaß auswirke.

Eine politische Auseinandersetzung zu diesem Thema wurde sogar im Saarland ausgelöst. Hierbei forderte Oskar Lafontaine als Fraktionschef der Linken des saarländischen Landtags Sparkassen aus der Region dazu auf, sich an diesem Beispiel zu orientieren und Saarländer mithilfe niedriger Dispozinsen finanziell zu entlasten. Allerdings gingen die Sparkassen nicht auf diesen Vorschlag ein. Sie verwiesen im Gegenzug darauf, andere Erleichterungen für ihre Kunden geschaffen zu haben.