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Leitungswasser trinken – Ist der Trinkgenuss gesundheitlich unbedenklich?

Leitungswasser trinken
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Gelegentlich werden hierzulande Diskussionen über die schlechte Qualität des Leitungswassers laut. Dennoch ergeben Umfragen, dass ein Großteil der in Deutschland lebenden Menschen der bundesweit allgemein guten Trinkwasserqualität vertraut. Diesen Standpunkt der Deutschen publiziert das Institut für empirische Sozial- und Kommunikationsforschung, das seit 2007 regelmäßig monatliche Internetbefragungen über die Qualitätswahrnehmung und Nutzung über deutsches Trinkwasser durchführt.

Eine positive Einschätzung der Deutschen

Studienergebnisse der letzten Jahre belegen, das weit mehr als 80 Prozent aller Probanden der Studie Qualität und Image von Trinkwasser in Deutschland die deutsche Wasserqualität als gut oder sehr gut bewerten. Diese Umfrageergebnisse bestätigen ebenfalls, dass etwa 90 Prozent aller Menschen die Meinung vertreten, dass Leitungswasser aus Deutschland bedenkenlos zu sich genommen werden kann.

Obwohl diese Zahlen dem Leitungswasser in Deutschland generell ein gutes Image attestieren, beweist die Untersuchung ebenfalls, dass sich ungefähr jeder zehnte skeptisch über die Wasserqualität äußert. Weil die Studie allerdings nur die subjektive Meinung der Befragten abbildet, darf der Blick auf wissenschaftliche Fakten für eine objektivere Einschätzung nicht fehlen.

Strenge Kontrollen des Leitungswassers

Deutschlandweit ist Leitungswasser das am besten und strengsten überprüfte Lebensmittel schlechthin.

Eine wichtige Grundlage ist die Trinkwasserverordnung, deren Regelungen partiell sogar europäische Richtlinien übertreffen.

Auf diese Weise wird gewährleistet, dass aus der Leitung fließendes Trinkwasser garantiert nicht die vorgeschriebenen Schadstoffgrenzwerte überschreitet. Die Trinkwasserverordnung schreibt beispielsweise vor, welche chemischen, physikalischen und biologischen Eigenschaften des Trinkwassers für eine etwaige Aufbereitung und Desinfektion regelmäßig überprüft werden müssen. Die Untersuchungspflicht bezieht sich auf den Wasserversorger selbst. Wasserwerke unterstehen hingegen der staatlichen Aufsicht deutscher Gesundheitsämter.

Doch trotz dieser starken Kontrollen zweifeln viele Deutsche noch immer an der Wasserqualität. Diese Zweifel sind jedoch in erster Linie auf reine Unwissenheit oder im Internet verbreitete Falschaussagen zurückzuführen. Wer die exakte Wasserqualität ermitteln lassen möchte, kann die Flüssigkeit auf Wunsch von dem unabhängigen Anbieter IVARIO auf Schadstoffe im Labor hin überprüfen lassen. Andere Wassertests sind wiederum für die Anwendung im Privatbereich geeignet.

Schwimmen Schad- und Giftstoffe im Wasser?

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass spezielle Schad- oder gar Giftstoffe dennoch im deutschen Trinkwasser nachgewiesen werden können. Allerdings bewegt sich der prozentuale Anteil dieser Inhaltsstoffe unter gesetzlichen Richtlinien. Deshalb stellen die Substanzen auch kein gesundheitliches Risiko dar.

Wer jedoch verstehen möchte, wie diese Inhaltsstoffe überhaupt in Leitungswasser gelangen, muss zuerst einen Blick auf den Ursprung der Flüssigkeit werfen. Zugleich ist es hilfreich zu wissen, über welche Wege sich das Wasser seinen Weg bis zum Wasserhahn bahnt. Das Trinkwasser wird hierzulande zu 70 Prozent aus Quell- und Grundwasser gewonnen. Der verbleibende Wasseranteil entstammt Gewässern wie Flüssen, Talsperren, Seen oder nahe Gewässern befindlichen Brunnen.

Wasserwerk
Zuerst wird das geförderte Wasser von den Wasserwerken auf schädliche Inhaltsstoffe oder anderweitige Verunreinigungen hin überprüft und im Bedarfsfall aufbereitet – Bild: © Curioso.Photography #158132834 – stock.adobe.com

Der Weg des Trinkwassers

Zuerst wird das geförderte Wasser von den Wasserwerken auf schädliche Inhaltsstoffe oder anderweitige Verunreinigungen hin überprüft und im Bedarfsfall aufbereitet. Daraufhin geben die Wasserwerke das gefilterte Wasser durch Rohrsysteme an regionale Wasserlieferanten weiter. Diese Wasserversorger liefern die Flüssigkeit anschließend bis zum Hausanschluss. Bis zu dieser Phase ist die Trinkwasserverordnung gültig.

Ab dem Hausanschluss tragen der Hausbesitzer bzw. die Vermieter die Verantwortung für die Wasserqualität.

Im Laufe dieses Weges ist es jedoch nicht zu 100 Prozent ausgeschlossen, dass gesundheitsgefährdende Inhaltsstoffe wie Pestizide, Medikamentenrückstände, künstliche Hormone wie die Antibabypille, Uran, Chrom oder Kalk als eine der häufigsten Substanzen in Leitungswasser geraten.

Es muss nicht immer reines Leitungswasser sein

Reines Leitungswasser existiert eigentlich nur im Labor. Sogar in kristallklaren Quellen und Bergseen sind Stoffe enthalten, die über die Umwelt direkt ins Wasser gelangen. Das bedeutet allerdings nicht, dass diese Inhaltsstoffe automatisch immer schädlich sind. Ganz im Gegenteil: Zum Teil enthält Wasser sogar lebensnotwendige Mineralstoffe.

In Deutschland ist für Trinkwasser sogar ein sehr hoher Qualitätsstandard gültig, der über regelmäßig stattfindende staatliche Kontrollen landesweit eingehalten wird. Laut Informationen des Bundesumweltamts ist Leitungswasser aus Deutschland qualitativ so hochwertig, dass sogar Babynahrung problemlos zubereitet werden kann. Dennoch ist ein vorheriges Abkochen des Wasser sinnvoll, damit etwaig im hauseigenen Rohrsystem aufkommende Keime abgetötet werden können.

Problemfall Nitratwerte?

Sorgen bereiten die stetig ansteigenden Nitratwerte, die vermehrt im Leitungswasser auftreten. Deshalb setzen immer mehr Wasserwerke neue Filteranlagen ein, welche dank moderner Filtersysteme auch kleine Rückstände von Medikamenten oder Nitrat aus Trinkwasser filtern können.
Allerdings ist diese Technologie wiederum ein Grund dafür, weshalb Durchschnittspreise von einem halben Cent für einen halben Liter an Trinkwasser dauerhaft ansteigen werden. Das Wasser der Zukunft wird dementsprechend teurer werden.

Bei aufkommenden Zweifeln: Sind Mineral- und Tafelwasser eine Alternative?

Häufig ist die Wahl geeigneten Trinkwassers eine Frage des Geschmacks. Da regionales Leitungswasser nicht den Geschmack eines jeden Verbrauchers trifft, ist Tafel- oder Mineralwasser aus der Flasche oft die bessere Option. Aus gesundheitlicher Sicht sind diese Wasservarianten nicht bedenklich. Schließlich gelten hierzulande für Mineral- oder Leitungswasser strenge Richtlinien. Nur preislich unterscheidet sich Wasser aus der Flasche oder Leitung landesweit deutlich.

Hinzu kommt, dass bei einer Nutzung von Leitungswasser kein Verpackungsmüll oder Umweltverschmutzungen aufgrund transportbedingter Abgase entstehen. Weil in PET-Flaschen zum Teil schon hormonähnliche Inhaltsstoffe ungeklärter Herkunft nachgewiesen wurden, ist Tafel- oder Mineralwasser aus Glasflaschen zumeist die bessere Wahl. Außerdem sind diese Mehrwegflaschen wesentlich umweltfreundlicher als Flaschen aus PET.