Jungvogel aus dem Nest gefallen – was tun?

Im Frühjahr, aber auch bei großer Hitze im Sommer fallen Jungvögel häufig aus dem Nest. Sie fiepen und wirken hilflos. Viele Tierfreunde fragen sich, was sie tun sollen. Auf keinen Fall sollten diese Küken sofort mit nach Hause genommen und gefüttert werden. Es ist wichtig, auf den Zustand des Vogelbabys zu achten, um dann richtig zu handeln.
Warum Jungvögel bei großer Hitze aus dem Nest fallen
Während der großen Hitzewelle Ende Juni 2026 fielen zahlreiche Jungvögel aus ihren glutheißen Nestern. Martin Rümmler vom Naturschutzbund (NABU) berichtet davon, dass viele Meldungen über aufgefundene Vogelküken eingegangen sind. Pflege- und Auffangstationen für Wildvögel stießen an ihre Kapazitätsgrenzen.
Martin Rümmler hält einen Zusammenhang mit der Hitzewelle für wahrscheinlich.
Die Vögel waren noch während der Brutzeit davon betroffen. Die Jungvögel waren oft noch nicht ganz flügge. Nester heizen sich insbesondere in exponierten Lagen oder an Gebäudestrukturen stark auf. Die Küken wollen der Überhitzung entgehen und verlassen das Nest.

Vogelbaby an einem gefährlichen Ort gefunden
Handlungsbedarf besteht, wenn ein Jungvogel an einem gefährlichen Ort wie einer Straße gefunden wurde oder sich Katzen in der Nähe befinden, die sich anschleichen. Der Vogel sollte vorsichtig aufgehoben und an einen sicheren Ort gebracht werden.
Vögel haben im Gegensatz zu Säugetieren keinen guten Geruchssinn. Auch wenn der Jungvogel mit den Händen berührt wurde, verstoßen die Elterntiere ihn nicht.
Handelt es sich bei dem gefundenen Jungvogel nicht um einen Mauersegler, Alpensegler oder eine Schwalbe, sollte er an einen sicheren Platz wie eine Hecke oder ein Gebüsch in der Nähe des Fundortes gebracht werden. Dieser Platz sollte sich nicht weiter als 20 Meter vom Fundort entfernt befinden.
Innerhalb dieses Areals vermuten die Elterntiere ihr Küken, das sie mit lautem Rufen auf sich aufmerksam macht. Die Altvögel kümmern sich dann um ihren Nachwuchs und versorgen ihn mit Nahrung.
Die Situation richtig einschätzen
Wer ein Vogelküken findet, sollte es beobachten, um die Situation einzuschätzen. Es kommt darauf an, in welchem Zustand es sich befindet, ob es noch nicht zugefedert ist und ob es möglicherweise verletzt ist.
Ein vollständig zugefedertes Vogelküken wird als Ästling bezeichnet und startet bereits seine ersten Flugversuche. Es kann bereits über kürzere Distanzen flattern oder fliegen und ist nicht auf menschliche Hilfe angewiesen. Er wird außerhalb des Nestes von seinen Eltern umsorgt und darf keinesfalls mitgenommen werden. In der freien Natur hat er bei seinen Eltern die besten Überlebenschancen.
Anders sieht es bei einem Nestling aus. Dabei handelt es sich um nackte oder noch nicht vollständig befiederte Jungvögel, die noch nicht fliegen können und auf Hilfe angewiesen sind. Befindet sich das Nest in der Nähe, wird das Vogelbaby behutsam zurückgesetzt, wenn es unverletzt ist. Das muss dann geschehen, wenn sich die Altvögel nicht in der Nähe oder auf dem Nest befinden, damit sie nicht gestört werden.
Nicht immer ist ein Nest in der Nähe zu sehen oder es ist unzugänglich. In solchen Fällen kann das Vogelbaby behutsam in einen Pappkarton gesetzt und dann in menschlicher Obhut aufgezogen werden. Es ist wichtig, ihm kein Wasser direkt in den Schnabel zu geben, da es in die Lunge gelangen und der Nestling daran ersticken kann. Wasser sollte nur an der Schnabelspitze oder der Schnabelseite gegeben werden.
Erst dann, wenn der Vogel aufgewärmt und nicht mehr komplett geschwächt ist, sollte er Futter erhalten. Gut geeignet ist spezielles Aufzuchtfutter aus der Zoohandlung.
Die Pflege eines Nestlings ist anspruchsvoll und sollte von einem Experten erfolgen. Über die Webseite des NABU können Adressen von Auffangstationen abgerufen werden.

Was tun mit einem verletzten Jungvogel?
Ist ein Jungvogel aus dem Nest gefallen und verletzt, hilft ihm ein Zurücksetzen ins Nest allein nicht weiter.
Er sollte vorsichtig in einen Pappkarton gesetzt und zu einem vogelkundigen Tierarzt gebracht werden, der seine Überlebenschancen am besten einschätzen und ihn versorgen kann.
Alpen- und Mauersegler sowie Schwalben als Ausnahmen
Küken von Alpen- und Mauerseglern sowie Schwalbenküken haben ohne fachkundige Hilfe nur sehr geringe Überlebenschancen, wenn sie aus dem Nest gefallen sind. Ander als bei anderen Vogelarten durchlaufen diese Arten keine reguläre Ästlingsphase, in der die Eltern sie am Boden weiter versorgen. Diese Vögel werden von den Eltern im Nest gefüttert und können vom Boden nicht starten. Sie werden Opfer von Katzen oder Greifvögeln. Diese Vögel sollten in jedem Fall in eine Wildvogel-Auffangstation gebracht werden.





