NaturWirtschaft

Klimaschutz realisieren – Mit diesen Ansätzen

Klimaschutz realisieren
Klimaschutz realisieren - Mit diesen Ansätzen

Heute sind sich zahlreiche Forscher einig, dass reale gesellschaftliche Trendwenden zu einem effektiven Klimaschutz beitragen können. Bis spätestens zum Jahr 2050 sollte der globale Treibhausgasanstoß auf Null reduziert werden. Doch für diesen Wandel sind massive Änderungen notwendig. Aus dem Grund nahm eine Forschergruppe unter Führung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung – das PIK – mehrere Expertenvorschläge über etwaige Trendwenden und mögliche Wege unter die Lupe.
Die Studie des Teams um PIK-Direktor Hans Joachim Schellnhuber wurde in der Fachzeitschrift „Proceedings“ der PNAS – der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften – publiziert. Demzufolge stehen folgende Vorschläge zur Debatte.

Energieerzeugung

In Sachen Energieerzeugung ist ein deutlicher Verzicht auf fossile Brennstoffe gewünscht. Hinsichtlich dieses Themas ist vor allem die Initiative der Politik erforderlich. Beispielsweise waren Subventionen für Erdöl, Erdgas und Kohle im Jahr 2015 noch ungefähr doppelt so hoch wie für erneuerbare Energien.
Zudem sprechen sich Wissenschaftler für einen Umbau der Energieversorgung von zentralen Kraftwerken bis hin zu einer dezentralen Energiegewinnung mithilfe von Wind- oder Solarkraft aus.

Kohlekraftwerk
In Sachen Energieerzeugung ist ein deutlicher Verzicht auf fossile Brennstoffe gewünscht

Angepasste Infrastruktur von Städten

Direkte sowie indirekte Emissionen durch Gebäude verursachen auf dem gesamten Kontinent bis zu 20 Prozent des Treibhausgasausstoßes. Deshalb empfehlen Forscher große Demonstrationsprojekte, durch die klimafreundliches Bauen aufgezeigt wird.
Ein Beispiel sind zu 80 Prozent aus laminiertem Holz erbaute Häuser, mit denen Tausende Tonnen an Kohlendioxid vermieden werden könnten.

Die öffentliche Infrastruktur der Städte bietet ebenfalls ein hohes Potential zur Einsparung von CO2-Ausstößen.

Einfluss auf das Finanzsystem

Möglicherweise werden immer mehr Investoren mit dem Problem konfrontiert, dass sich ihre Investitionen in fossile Brennstoffe auf Dauer nicht rentieren. In diesem Fall ist nicht auszuschließen, dass die Investoren ihre Gelder auch nicht mehr in diese Branche stecken. Zu diesem Thema betonen die Forscher, dass Simulationen zufolge nur neun Prozent der Investoren dem Thema den Rücken zukehren.
Im Gegenzug könnten allerdings andere Investoren dazu veranlasst werden, in dieses System einzusteigen. Erste Anzeichen für eine Wende würden bereits bestehen, beispielsweise durch Kürzungen der versicherungstechnischen und finanziellen Unterstützung von Kohleprojekten.

Normen und Werte

Eine Gewinnung und Inanspruchnahme von fossilen Brennstoffen, die dem Ziel des Pariser Klimaabkommens widersprechen und eine Erderwärmung auf wesentlich unter 2 Grad limitieren, ist nach Aussagen der Wissenschaftler „unmoralisch“. Schließlich würden diese Handlungsweisen automatisch in weitgehend schwerwiegenden und unnötigen Schäden münden.

Wie PIK-Direktor Johan Rockström betont, bestehe zwar ein hohes Bewusstsein für die globale Erwärmung. Allerdings sind gesellschaftliche Normen für eine grundlegende Verhaltensänderung nicht dementsprechend hoch.

Deshalb ist auf Dauer anzustreben, Klimaschutz als soziale Norm zu respektieren.

Wichtige Verbraucherinformationen

Der gewünschte gesellschaftliche Wandel vollzieht sich in den Augen der Forscher nur durch entsprechende Verbraucherinformationen. Bereits analysierte Vorschläge schlossen beispielsweise ebenfalls Informationen über den Treibhausgasausstoß für eine Produktherstellung auf jeder Verpackung ein. Diese Informationsquelle wäre beispielsweise mit Nährwertangaben über Lebensmittel vergleichbar. Diese Informationen sollen Menschen dabei helfen, einen klimaneutralen Lebensstil zu pflegen.

Informationen über den Treibhausgasausstoß für eine Produktherstellung auf jeder Verpackung
Bereits analysierte Vorschläge schlossen beispielsweise ebenfalls Informationen über den Treibhausgasausstoß für eine Produktherstellung auf jeder Verpackung ein

Bildungssystem

Die Studienautoren geben zu verstehen, dass Nachhaltigkeit nicht einfach auferlegt werden kann.

Stattdessen muss Nachhaltigkeit erlernt werden.

Die Wissenschaftler setzen sich dafür ein, eine klima- und umweltbewusste Lebensweise im Schulunterricht wesentlich deutlicher zu thematisieren.
Diese Form qualitativ hochwertiger Bildung trage dazu bei, Werte und Normen zu verändern und aufgrund dessen Verhaltensänderungen herbeizuführen.

Maßnahmen treffsicher platzieren

Zu diesem Thema äußert sich ebenfalls Andreas Ernst von der Universität Kassel. Der Wissenschaftler beteiligte sich zwar nicht an der Studie. Allerdings geht der Forscher davon aus, dass sogenannte Social Tipping Interventions eine bewährte Methode sind, um den Fokus auf gesellschaftliche Optionen des Umsteuerns zu lenken.
Wer Maßnahmen treffsicher platziert, kann zurecht auf umfassende Erfolge im Umgang mit der Klimaerwärmung hoffen. Über diesen Standpunkt ist sich der Stellvertretende Geschäftsführer des Centers for Environmental System Research und Professor für Umweltanalyse/Umweltpsychologie sicher.