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Steuerbetrügern auf der Spur – Mit künstlicher Intelligenz

Steuerbetrügern auf der Spur
Steuerbetrügern auf der Spur – Mit künstlicher Intelligenz

Möchten Steuerbetrüger während der Corona-Pandemie Hilfsgelder erschleichen, sollten sie sich besser von Hessen fernhalten. In diesem Bundesland werden die Finanzanträge nicht nur von Beamten bearbeitet. Hier werden mittlerweile auch Computerprogramme genutzt, die im Antrag gestellte Daten mit denen der Steuerbehörde abgleichen.
Um Steuerbetrügern auf die Spur zu kommen, setzt Hessen Künstliche Intelligenz ein.

Komplexe technische Unterstützung beim Finanzamt Kassel II

Diese Fäden hält das Finanzamt Kassel II zusammen. Hier ist die Forschungsstelle für Künstliche Intelligenz aktiv, die in Deutschland eine Führungsposition einnimmt. Seit mittlerweile drei Jahren ist die Institution gegen Steuerkriminalität aktiv und wertete in der Zwischenzeit sogar die bekannten Panama Papers mit einem Umfang von vier Terabyte aus.

Ohne technische Hilfe wäre die Aufgabe fast nicht realisierbar gewesen.

In ausgedrucktem Zustand würden all diese Daten in insgesamt 300.000 Akten ihren Platz finden. Nach Informationen des FSKI-Leiters Andreas Bauer fielen bei der KI-Analyse der Panama Papers für das Gericht verwertbare Informationen zu etwa 1.000 Personen und ungefähr 3.000 Offshore-Unternehmen auf.

Panama Papers
Seit mittlerweile drei Jahren ist die Institution gegen Steuerkriminalität aktiv und wertete in der Zwischenzeit sogar die bekannten Panama Papers mit einem Umfang von vier Terabyte aus

Ein Zusammenspiel aus Datenverarbeitung und Künstlicher Intelligenz

In keinem anderen Land spielt die Datenverarbeitung und Künstliche Intelligenz eine solch wichtige Rolle wie in Hessen. An dem Kasseler Projekt beteiligen sich ungefähr 50 Steuerfahnder und Computerforensiker, die Algorithmen entwickeln und beruflichen Nachwuchs ausbilden.

Dadurch sind Steuerkriminelle einer Technologie ausgesetzt, die Analysen vornimmt und Erkenntnisse unterteilt. Rolf Bösinger als für Steuern zuständiger Staatssekretär des Bundesfinanzministeriums betrachtet Künstliche Intelligenz als „wichtiges Instrument“, um Steuergerechtigkeit umzusetzen. Seiner Meinung nach ist es „zunehmend unmöglich“, eigenen steuerlichen Verpflichtungen zu entkommen.

Ein einfacher Zugriff auf Daten

Für Experten kommt es nur wenig überraschend, dass insbesondere das Finanzamt eine digitale Aufrüstungsstrategie plant. Schließlich greifen die Steuerbehörden auf eine besonders große Datenbasis zu, die sich einfach maschinell auf bestimmte Muster durchsuchen lässt.

Bei einer Verfolgung vieler anderer Straftaten ist es wesentlich schwieriger, überhaupt an genügend Daten zu gelangen.

Damit professionelle die Künstliche Intelligenz nicht austricksen können, halten Steuerbeamte den Code laut Abgabenordnung geheim. Eine Überprüfung der Algorithmen ist staatlich bislang ebenfalls ungeregelt. In den Augen von Forschungsstellenleiter Bauer komme der Künstlichen Intelligenz hingegen nur eine unterstützende Funktion zugute. Seiner Meinung nach ist menschliche Intelligenz noch immer nicht Computer erreichbar oder ersetzbar.