Wirtschaft

Zunehmender Auflagenschwund bei Tageszeitungen

Zunehmender Auflagenschwund bei Tageszeitungen
Zunehmender Auflagenschwund bei Tageszeitungen

Bundesweit steigt der wirtschaftliche Druck auf Tageszeitungen stetig an. Insbesondere in lokalen Redaktionen wird gespart? Bei dieser Tendenz stellt sich völlig zurecht die Frage, wie die Berichterstattung der Zukunft aussehen wird.

Auflagen von Tageszeitungen gehen stetig zurück

Die allgemeine wirtschaftliche Situation von deutschen Tageszeitungen ist kritisch. Zahlen des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger – des BDZV – bestätigen, dass die Auflagen von Tageszeitungen seit drei Jahrzehnten stetig sinken.

Veräußerten die Verlage zu Beginn der 1990er Jahre noch gut 27 Millionen Tageszeitungen, reduzierte sich die Anzahl bis 2018 auf insgesamt 14 Millionen.

Von diesem Trend sind einige Tageszeitungen stärker, andere weniger betroffen. Ein tragisches Beispiel ist die Lausitzer Rundschau, deren Auflage sich in diesem Zeitraum um ungefähr zwei Drittel reduzierte. Einst veräußerte die Tageszeitung rund 230.000 Exemplare, heute nur noch rund 65.000 Ausgaben. Deshalb konzentrieren sich die meisten Zeitungen darauf, ihre Angebote im Internet zu verbessern. Allerdings können fallende Anzeigenerlöse und Abonnementzahlen durch diesen Schritt auch nicht kompensiert werden.

Journalisten müssen umdenken

Düstere Zeiten für Redakteure, von denen immer mehr Branchenvertreter um ihren Job bangen müssen. Heute arbeitet häufig nur noch ein Journalist in Redaktionen, die noch vor wenigen Jahren mit drei oder gar vier Redakteuren besetzt gewesen sind.

Dieser “Notstand” führt dazu, dass die Journalisten längst nicht mehr alle wichtigen Veranstaltungen persönlich besuchen können. Wer heute Artikel schreibt, muss sich zumeist auf Pressemitteilungen ode Anrufe verlassen. Ansprüche an den Journalismus verändern sich aufgrund dieser Umstände. Dennoch ist das Zeitungssterben in Deutschland noch weit von selbigen dramatischen Entwicklungen in den USA oder Großbritannien entfernt.

Journalistin in Redaktion
Heute arbeitet häufig nur noch ein Journalist in Redaktionen, die noch vor wenigen Jahren mit drei oder gar vier Redakteuren besetzt gewesen sind.

Immer mehr Zeitungen werden zusammengelegt

In Dortmund wurde der lokale Teil der “Ruhrnachrichten” mittlerweile von der “Westfälischen Rundschau” und “Westdeutschen Allgemeine” übernommen. In Düsseldorf besitzt nur noch die “Rheinische Post” eine klassische Lokalredaktion, die ebenfalls von der “Neuen Ruhrzeitung” und “Westdeutschen Zeitung” genutzt wird.

Ein weiterer Trend ist dahingehend erkennbar, dass überregionale Berichterstattungen vermehrt vereinheitlicht werden.

Deshalb riefen die beiden Mediengruppen Madsack und Dumont vor mehr als zwei Jahren eine große Hauptstadtredaktion für Wirtschaft und Politik ins Leben, von der aus bis zu 50 Zeitungen mit redaktionellem Stoff beliefert werden. Ein Streben nach Kooperation ist bei der heutigen Zeitungslandschaft deshalb wesentlich stärker als ein hoher Konkurrenzkampf ausgeprägt.

Veränderte Ansprüche an die Berichterstattungen

In der “Lausitzer Rundschau” vollzieht sich seit mehreren Jahrzehnten ein drastischer Wandel. Auf verkleinerte Redaktionen folgten zentralisierte Arbeitsabläufe, so dass die meisten Lokalredaktionen heute nur noch von zwei Journalisten besetzt werden. Die Texter verfassen ihre Beiträge online, damit die Blattmacher die Zeitung anschließend in Cottbus erstellen können. Eine Zusammenarbeit mit anderen Zeitungen aus Regionen wie Südbrandenburg ist ausgeschlossen, da die Lausitzer Rundschau die einzige Tageszeitung aus der Region ist. Stattdessen liefert die benachbarte “Märkische Oderzeitung” die Lausitzer Rundschau mit Berichterstattungen über Brandenburg sowie überregionalen Seiten über Kultur und Wirtschaft.

Diese Strategie ist nur ein Beispiel dafür, dass der Zeitungsmarkt alles andere als positiv verläuft. Es kommt, wie es kommen muss. Viele Journalisten wechseln freiwillig ihren Arbeitgeber. Deshalb arbeiten immer mehr Redakteure für Rathäuser, die Gemeindeblätter publizieren, bei denen die Grenze zwischen PR und Journalismus fließend ineinander übergeht.

Die aktuelle Situation bei der “Bild”

Doch es sieht nicht für alle Zeitungen in gleicher Weise düster aus. Gemäß Axel Springer ist die “Bild” mit großem Abstand die größte Tageszeitung sowie das größte Einzelverkaufsmedium in Europa. Vor sinkenden Zahlen macht die Entwicklung dennoch nicht Halt. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sank die Auflagenzahl kürzlich um über zehn Prozent auf 1,18 Millionen. Ein Minustrend zeichnet sich ebenfalls bei der “Süddeutschen Zeitung” als Marktführer ab, deren Minus allein im vierten Quartal 2019 insgesamt 4,4 Prozent betrug. Während die “Frankfurter Allgemeine” im gleichen Zeitraum 3,5 Prozent verlor, büßte das “Handelsblatt” 1,1 Prozent ein.

Die Welt musste mit einem Minus von 12,4 Prozent einen massiven Abwärtstrend in Kauf nehmen. Weniger drastische Tendenzen wie vom “Handelsblatt” sind auf deutliche ePaper-Zuwächse zurückzuführen. Die Anzahl von Abos von Digitalkunden hat den Anteil von Kunden von Papierabos mittlerweile deutlich überschritten. Unangefochtener Verlierer ist das “Neue Deutschland”, dessen Verkaufszahlen aus dem vierten Quartal 2019 im Vergleich zum Vorjahr um über 15 Prozent gefallen sind.

Die Entwicklung bei Sonntags- und Wochenzeitungen

Der Auflagenschwund setzt sich ebenfalls bei Sonntags- und Wochenzeitungen fort, unter denen die “Bild am Sonntag” mit einem Minuswert von zehn Prozent im Vergleichszeitraum dennoch die Spitzenposition einnimmt.
Im Gegenzug legte die “Zeit” im Vergleich zu 2018 sogar um 0,4 Prozent zu. Dieser Trend wird ebenfalls positiv durch ePaper-Abonnenten beeinflusst. Deutliche Einbußen mussten ebenfalls die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” und “Welt am Sonntag” in Kauf nehmen.