Banken drehen an der Gebührenschraube – Bankkunden sollen die Banken ausstoppen

In die für Bankkunden ärgerliche Diskussion um Gebühren fürs Girokonto ist Bewegung gekommen. Am 11.04.2017 veröffentlichte das Handelsblatt ein sehr aufschlussreiches Interview mit Liane Buchholz, die Präsidentin der westfälischen Sparkassen ist. Sie verteidigte, dass mehr als 10 % der Sparkassen einige Kunden für die Bargeldabhebung inzwischen zur Kasse bitten. Zwar nur für einige Kontomodelle und manchmal auch nicht erst ab der ersten Abhebung pro Monat. Dennoch sollten die Bankkunden wachsam werden und diesen erneuten Gebührenangriff als Aufbruchssignal sehen.

Besteht die Sparkassen-Welt aus Geldautomaten-Gebühren und Nullzinsen?

Die Geldautomaten-Gebühr wirft ein schlechtes Licht auch auf das Management oder die Geschäftsphilosophie einiger Sparkassen: Mit Riester-Produkten, Geldanlage oder auch der Immobilienfinanzierung verdienen die Sparkassen an vielen Kunden. Darüber hinaus waren oder sind sie stolz auf ihren öffentlich-rechtlichen Auftrag: Anders als Privatbanken profitieren sie von der Stützung durch die Städte und Gemeinden und konnten und können sich dank dieser quasi-staatlichen Haftung auch günstiger refinanzieren. Bei Kundengebühren allerdings soll das Solidarprinzip nicht mehr gelten? Irgendwie seltsam und auch eine Abkehr von der Bank in der Region.

Von Kontowechsel und Neueröffnung: Selbstbewusste Kunden ergreifen Gegenmaßnahmen

In den letzten Wochen produzierten – wieder einmal – einige Volksbanken und Sparkassen Negativschlagzeilen: Demnach würden sie auch von eigenen Kunden für das Geldabheben an eigenen Automaten Geld verlangen, was bisher ein Tabu-Thema war. Allerdings findet sich in den entsprechenden, einschlägigen Preisverzeichnissen oftmals kein eigenes Entgelt für die Geldautomaten-Abhebung. Stattdessen werden bei einigen Kontomodellen anstatt gewohnter Monatspauschalen wieder Entgelte für jede einzelne Buchung verlangt. Damit scheinen die Volksbanken die angeblichen Belastungen der Niedrigzinsphase weitergeben zu wollen oder aber auch eine elegante Möglichkeit entwickelt zu haben mit dem Basiskonto doch noch Geld verdienen zu können.

Allerdings sollten Sie sich diese neuen Gebühren nicht bieten lassen und könnten sich dagegen ohne viel Aufwand wehren. Die Varianten reichen vom kompletten Bankwechsel über eine neue Produktmischung hin zu der Nutzung eines zusätzlichen Angebots einer Direktbank:

  • 1. Die Rationalisierung schlägt zurück: Geld auf der Spar-Card zwischenparken
  • Viele Bankkunden wunderten sich vor einigen Jahren, als die bisher gewohnten „Papier“-Sparbücher eingezogen wurden, sobald alle Buchungszeilen genutzt waren. Dann wurde nicht etwa ein neues Sparbuch ausgestellt, stattdessen mussten die Sparer auf die Zusendung der Sparkarte warten. Die Produktnamen bei einzelnen Banken sind unterschiedlich, doch der Effekt gleich: Der Kunde soll keine personenbediente Kasse mehr benutzen, sondern den Geldautomaten. Im Umkehrschluss kann aber auch außerhalb der Bank-Öffnungszeiten abgehoben werden. Wer die SparCard als Zwischenpark-Möglichkeit für das Geld nutzt, der kann auch mehrmals im Monat bei der eigenen Bank abheben. Damit rächt sich die Rationalisierung der Bank, denn plötzlich ist das ehemalige Sparbuch 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag nutzbar.

  • 2. Der Komplettwechsel des Girokontos: „White label-Lösungen“ für weniger Umstellungsaufwand
  • Viele Bankkunden haben sich bereits an das bequeme, zeitsparende Online-Banking gewöhnt. Überweisungen sind schnell eingegeben und ausgeführt. Interessant: Viele Banken haben eine sehr ähnlich designte Schnittstelle. Nicht nur weil Überweisungsträger identisch aussehen, sondern weil sich mehrere Banken von der gleichen Software-Firma beliefern lassen. Deshalb kann es durchaus sein, dass sich bis auf das Banklogo nach dem Umziehen des Kontos nur sehr wenig ändert. Es gibt kaum Umgewöhnunsgzeit für das Online-Banking bei der neuen Bank. Focus Online spricht sogar von bis zu mehreren Hundert Euro, die sich beim Bankenwechsel einsparen lassen würden.

    Anders sieht dies lediglich bei der eigenen Geldanlage bei Direkt-Brokern aus, hier würde sich wahrscheinlich ein Umzug Schritt für Schritt lohnen.

  • 3. Bankprodukte intelligent kombinieren: Kostenlose Kreditkarten und Bargeldabhebung statt Buchungsposten
  • Eine weitere Möglichkeit zur Reduzierung der Buchungsposten und etwaiger Gebühren wäre das Aufsplitten der Bankverbindung. Inzwischen gibt es viele weltweit funktionsfähige Kreditkarten, die auch für den Einkauf in der Nähe oder für Bargeldabhebungen genutzt werden können. Insbesondere seit der Deckelung der Kreditkartengebühren durch die EU-Kommission in etwa auf das Niveau der girocard/ec-Karte akzeptieren immer mehr Geschäfte Kreditkarten. Damit könnten Sie die pro Monat freien Buchungsposten schonen oder bei mancher kostenfreien Kreditkarte auch zusätzliche Rückerstattungen (wie beispielsweise bei Payback) bekommen.

    Wenn die Bank also an der Gebührenschraube drehen möchte, dann sollten Bankkunden dies nicht zulassen. Mit ein bisschen Recherchieren und einem Zeitaufwand von vielleicht einer Stunde lässt sich die Gebührenschraube festhalten.