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Die Kraft der Homöopathie: Wundermittel oder eher Placebo?

Homöopathie Wundermittel oder Placebo?
Die Kraft der Homöopathie: Wundermittel oder eher Placebo? – Bild: © Rawf8 #332983915 stock.adobe.com

Homöopathische Globuli erfreuen sich in Deutschland großer Beliebtheit. Die Zahlen sprechen für sich: Jeder zweite Deutsche hat die Arzneimittel schon mindestens einmal ausprobiert.
Viele Anwender, welche die kleinen Kügelchen oder Salben bereits genutzt haben, sind mit den Pharmazeutika auch zufrieden.

Ein bewährtes Mittel für eine Behandlung von Kindern

Insbesondere Eltern greifen zu den Homöopathika, um Beschwerden ihrer Kinder zu behandeln. Die Vielfalt an Einsatzmöglichkeiten ist riesengroß. Gängige Behandlungsgebiete sind Mittelohrentzündungen, Zahnschmerzen oder grippale Infekte.

Pro Jahr wird hierzulande ein durch Homöopathika erzielter Umsatz von 670 Millionen Euro erreicht.

Homöopathische Globuli
Homöopathische Globuli erfreuen sich in Deutschland großer Beliebtheit – Bild: © Björn Wylezich #49922327 stock.adobe.com

Nicht mehr als ein Placebo-Effekt?

Schenkt man Aussagen zahlreicher Wissenschaftler Glauben, erzielt Homöopathie jedoch nur einen Placebo-Effekt. Dieser Effekt ist wissenschaftlich gut belegt. Nach aktuellem Stand der Forschung stellt sich durch die Einnahme eines Medikaments eine lindernde, heilende Wirkung ein, obwohl die Arzneimittel überhaupt keinen Wirkstoff enthalten.
Persönliche Erfahrungen oder Ideen durch einen Arzt sind ebenfalls ausschlaggebend zu der Frage, ob ein sogenanntes Schein-Medikament nun wirkungsvoll ist oder nicht.

Homöopathie und Placebo-Effekt
Schenkt man Aussagen zahlreicher Wissenschaftler Glauben, erzielt Homöopathie jedoch nur einen Placebo-Effekt – Bild: © Armin Staudt #70758203 stock.adobe.com

Unterstützung durch Ärzte und Therapeuten

Erfahrungen zufolge beeinflussen Ärzte oder Therapeuten den Erfolg von Therapien durch ihr Verhalten. Fühlen sich Patienten ernst genommen und nimmt sich medizinisches Personal genügend Zeit, beeinflussen diese Komponenten den Erfolg einer Behandlung durchaus. Homöopathische Erstgespräche schließen beispielsweise Fragen zur Arbeit und Familie ein.

Im Gegensatz zum klassischen Allgemeinmediziner nehmen sich homöopathische Mediziner mehr Zeit für medizinische Konsultationen, da deren Leistungen mithilfe sogenannter Selektivverträge gesondert durch Krankenkassen vergütet werden.

Stellenwert der Homöopathie

Hierzulande gilt Homöopathie als „besondere Therapierichtung“, die eine Sonderrolle einnimmt. Generell unterliegen homöopathische Arzneimittel nicht den gleichen gesetzlichen Bestimmungen wie andere Pharmazeutika. Beispielsweise ist es nicht erforderlich, dass die homöopathischen Produkte zugelassen sind. Vielmehr genügt es, dass die Pharmazeutika registriert sind.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte prüft diesbezüglich, ob die Medikamente den Richtlinien des Homöopathischen Arzneibuchs entsprechend produziert wurden oder ob deren Hersteller deren Unbedenklichkeit nachweisen können.

Homöopathie eine  besondere Therapierichtung
Hierzulande gilt Homöopathie als „besondere Therapierichtung“, die eine Sonderrolle einnimmt – Bild: © Microgen #271551815 stock.adobe.com

Keine Nachweise sind erforderlich

Ein genauer Nachweis über die Wirksamkeit ist nicht erforderlich.

Auch wenn homöopathische Arzneien Zulassungsverfahren bestreiten, sind Hersteller nicht zur Vorlage von Studien für deren Wirksamkeit gezwungen.

Bis zum jetzigen Zeitpunkt ließ das BfArM hierzulande noch kein homöopathisches Mittel zu, für das die Vorlage einer Studie erforderlich war.

Regelungen rund um die Kostenerstattung

Bezüglich der Kostenerstattung nimmt Homöopathie eine Sonderrolle ein. Krankenkassen ist es gesetzlich erlaubt, sogenannte Arzneimittel „der besonderen Therapierichtung“ – und demzufolge ebenfalls homöopathische Erzeugnisse – auch freiwillig zu erstatten.
Krankenkassen steht es demzufolge frei, die Kosten für homöopathische Mittel gegen Heuschnupfen zu übernehmen. Im Gegenzug bezahlen Krankenversicherungen nicht freiwillig für klassische Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Aspirin.

Während Krankenkassen für homöopathische Arzneimittel Kosten übernehmen dürfen, sind Bewilligungen für eine Übernahme klassischer Medikamente oftmals eingeschränkt. Beispielsweise ist es Krankenkassen gesetzlich untersagt, die Kosten für klassische Erzeugnisse gegen Reiseübelkeit oder reguläre Grippemittel zu übernehmen. Für eine Kostenübernahme homöopathischer Mittel treffen hingegen andere Bedingungen zu.

Kritik an der Wirkung von Homöopathie

Skeptiker der Homöopathie kritisieren, dass die Allgemeinheit die Kosten für homöopathische Pharmazeutika und Behandlungen übernimmt, obwohl von einer evidenzbasierten Heilmethode die Rede ist. Dieses Geld fehlt möglicherweise an anderer Stelle.

Befürworter der Methode betonen hingegen, dass Homöopathie den Menschen hilft und sich damit verbundene Kosten in Grenzen halten. Hierzulande ist es für Ärzte möglich, eine Weiterbildung im Fach Homöopathie zu belegen. Allerdings zweifeln zahlreiche Ärztekammern die Wirksamkeit der Methode aufgrund fehlender Wissenschaftlichkeit an.
Aus den Weiterbildungsordnungen der Ärztekammern Nordrhein-Westfalen, Bremen sowie Sachsen-Anhalt ist Homöopathie bereits eliminiert.