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Kreuzfahrten in Zeiten der Pandemie – Negativmeldungen für die Hurtigruten

Kreuzfahrten in Zeiten der Pandemie
Kreuzfahrten in Zeiten der Pandemie - Negativmeldungen für die Hurtigruten

Seitdem die Kreuzfahrtbranche seit Mitte März stillsteht, ist nichts mehr, wie es einmal war. Eine Hiobsbotschaft folgt auf die nächste. Die durch die Corona-Pandemie ausgelöste Ungewissheit hängt wie ein Damoklesschwert über der Kreuzfahrtindustrie. In jüngster Vergangenheit machten die Hurtigruten von sich reden – genau das Unternehmen, das sich einst so optimistisch über einen Neustart äußerte. Anfangs schien diese Rechnung auch aufzugehen.

Die Hurtigruten wollten mit gutem Beispiel vorangehen

Bereits ab Mitte nahm das norwegische Traditionsunternehmen seinen Betrieb wieder auf. Eigenen Informationen zufolge verfolgte verfolgten die Hurtigruten ein völlig eigenes Hygienekonzept, das allen Anforderungen norwegischer Behörden gerecht wurde. Zu Beginn nahmen die Postschiffe Kurs auf die zwischen Bergen und Kirkenes gelegene Route. Kurze Zeit später starteten insgesamt drei Expeditionsschiffe in Richtung Spitzbergen und Norwegen. Seitdem die Grenzen Norwegens wiederum für Urlauber aus Nicht-Risikoregionen geöffnet wurden, durften auch wieder Landgänge wahrgenommen werden.

Mittlerweile sind die größten Befürchtungen der Reedereien allerdings bittere Realität. Laut Angaben von Norwegens Gesundheitsbehörde NHI wurden insgesamt 21 Passagiere sowie 41 von 158 Crewmitgliedern des Expeditionsschiffs “Roald Amundsen” positiv auf Covid-19 getestet. Bislang ist noch nicht eindeutig geklärt, welche Person das Virus mit an Bord brachte. Allerdings ist es wahrscheinlich, dass anfangs ein Crewmitglied infiziert gewesen ist. Die “Seadream 1” ist ein weiteres Kreuzfahrtschiff, auf dem nach Verlassen des Schiffs eine Corona-Erkrankung bei einem Passagier diagnostiziert wurde. Der Test fiel bei allen anderen Besatzungsmitgliedern und Fahrgästen allerdings negativ aus. Deshalb setzte das Schiff seine Weiterreise nach einer Zwangspause in der norwegischen Stadt Bodø fort.

Corona-Infizierte auf der “Roald Amundsen”

Als Folge dieser Entwicklung sperrte das Land Norwegen über zwei Wochen hinweg seine Häfen für Kreuzfahrtschiffe. Nachdem vier Mitarbeiter der “Roald Amundsen” anfangs positiv auf Corona getestet worden waren, wurde die komplette Crew im nächsten Schritt ebenfalls getestet und an Bord des Schiffs isoliert.

Daraufhin beschuldigten nationale Medien die Reederei der mangelnden Transparenz und Vertuschung.

Ihrer Meinung nach habe Hurtigruten schon einige Tage vor der Ankunft des Schiffs in Tromsø von der Infektion eines Passagiers einer im Vorfeld erfolgten Spitzbergen-Reise auf der “Roald Amundsen” gewusst. Doch angeblich wurde diese Information bewusst zurückgehalten.

Kritische Stimmen durch norwegische Medien

Mit dieser Maßnahme wollte Hurtigruten einer amtlichen Mitteilung des behandelnden Arztes an die Öffentlichkeit entgegenwirken. Das Schiff sollte keinesfalls mit dem Infektionsfall in Verbindung gebracht werden. Dem Unternehmen war es nach Aussage der norwegischen Medien wichtig gewesen, die Kontrolle über den Informationsfluss zu behalten. Informationen von Hurtigruten zufolge wurden mittlerweile alle der knapp 400 Passagiere der beiden Reisen nach Spitzbergen vom 17. sowie 24. Juli über die aktuelle Situation informiert. Dennoch äußerten sich Medien und Mediziner kritisch. Ihrer Meinung nach hätten Fahrgäste schon zur Ausschiffung über die Situation informiert werden müssen, damit sich das Virus nicht weiter ausbreiten kann.

Die meisten Passagiere konnten zwar ungehindert ihre Heimreise antreten. Doch knapp 50 Fahrgästen wurde ein Boarding auf dem Flughafen von Tromsø verweigert. Im Vorfeld hatte das Flughafen-Personal die Kofferanhänger von Hurtigruten bemerkt.

Konsequenzen innerhalb der Reederei

Mittlerweile gab Hurtigruten-Chef Daniel Skjeldam zu verstehen, in puncto Infektionsschutz einige Fehler gemacht zu haben. Für das sogenannte “eigene Routineversagen” trage der Vorgesetzte nun die Verantwortung. Manager Bent Martini ging sogar noch einen Schritt weiter und legte seine Ämter nach Informationen des Unternehmens für unbestimmte Zeit nieder.

Was geschah auf der “Fritdjof Nansen”?

Eine andere Situation herrscht auf der “Fritdjof Nansen” vor. Dem von 171 Passagieren besuchten Kreuzfahrtschiff wurde es vor einigen Tagen gestattet, auf seiner Rückreise von Norwegen im Hafen von Hamburg anzulegen. Auf Reisen zeigten zwar mehrere Crewmitglieder Erkältungssymptome auf.

Allerdings bestätigte sich nicht der Verdacht einer Corona-Erkrankung. Die Reederei gab sogar an, dass alle Gäste und Crewmitglieder auf Covid-19 getestet worden waren. Doch alle Tests fielen negativ aus.

Kreuzfahrtbranche hart getroffen
Der Ausbruch der Infektion auf dem Hurtigruten-Schiff trifft die gesamte Kreuzfahrtbranche hart

Die aktuelle Situation bei anderen Reedereien

Der Ausbruch der Infektion auf dem Hurtigruten-Schiff trifft die gesamte Kreuzfahrtbranche hart. Eine ähnliche Situation ereignete sich in der Südsee, als das zur Reederei Ponant gehörige Schiff “Paul Gauguin” die erste Kreuzfahrt nach dem Lockdown aufgrund des positiven Tests eines amerikanischen Passagiers abbrechen musste. Deshalb sollten Mitbewerber clever durchdachte Konzepte erarbeiten und sich genau überlegen, wann sie wieder problemlos zu anderen Ufern aufbrechen können.

Ein Beispiel ist die Reederei Aida, die ihren Neustart bereits mehrfach aufgrund aufgetretener Corona-Infektionen der Crew verschob. Ein weiterer Grund ist die bislang noch nicht erfolgte Freigabe durch das Land Italien, das aus politischer Sicht für die Aida-Schiffe zuständig ist. Einer ähnlichen Situation ist die Schwesterngesellschaft Costa Crociere ausgesetzt. Zudem plant Hapag-Lloyd Cruises aktuell, ab dem Spätsommer wiederum Kreuzfahrten durch die Ost- und Nordsee anzubieten.

Gelingt der MSC der Neustart?

Die MSC präsentierte sich in einer Online-Pressekonferenz ebenfalls als startbereit. Vertreter dieser Reederei betonten, noch in diesem Sommer einwöchige Touren anzubieten. Während die “MSC Grandiosa” ab Genua in Richtung westliches Mittelmeer in See sticht, wird die “MSC Magnifica” ab Bari und Triest das östliche Mittelmeer bereisen. Die TUI Cruises zeigte sich sogar noch wagemutiger und ging erstmals Ende Juli wieder an den Start. Seitdem unternimmt die Reederei viertägige Reisen ab Hamburg zum Fjord in Oslo, den die Besucher trotz reduzierter Anzahl an Passagieren jedoch nicht auf Landgängen erobern dürfen.

Seit Anfang August starten mehrere Schiffe ebenfalls zu einwöchigen Panoramatouren zu den vier norwegischen Fjorden. Die Reederei Hurtigruten sagt aktuell hingegen alle Touren für die Expeditionsschiffe ab. Von dieser Regelung sind die “Roald Amundsen”, “Spitsbergen” und “Fridtjof Nansen” betroffen.