Wirtschaft

Nach der Corona-Pandemie: Mögliche Perspektiven für die Weltwirtschaft

Nach der Corona-Pandemie: Mögliche Perspektiven für die Weltwirtschaft
Nach der Corona-Pandemie: Mögliche Perspektiven für die Weltwirtschaft

Ist die Corona-Pandemie vorüber und kehrt langsam Normalität ein, wird großen Wirtschaftsunternehmen nach Meinung von Mark Carney ein wichtige Frage gestellt: “Und was habt ihr im Krieg getan?” Heftige Worte des machtvollen Gouverneurs der Bank von England, der sich in der britischen Zeitschrift “Economist” zu diesem Thema äußerte.

In Zeiten der Corona-Krise kristallisierte sich deutlich heraus, dass Gesellschaften der Gesundheit den Vorrang geben und erst anschließend über wirtschaftliche Konsequenzen nachdenken. In Zeiten wie diesen wird bei Unternehmen vorausgesetzt, dass diese im Gemeinsinn handeln und eher teilen als horten.

Diese Erfahrung ist für alle Entscheidungsträger neu

Die Schlüsselkeit von Carneys Prognose mag dabei ebenso streitbar wie dessen Kriegsmetapher sein. Dennoch beweist diese Aussage, dass sich die Werte in Krisenzeiten verändern.

Aktuell erlebt die Welt die tiefste Rezession seit Kriegszeiten.

Keine Personen oder Unternehmen mit hoher Verantwortung hatten in ihrem bisherigen Leben jemals etwas Vergleichbares erlebt. Menschen aus aller Welt sind verunsichert. Doch eines steht schon jetzt fest: Corona wird unseren Alltag grundlegend verändern, ob wir wollen oder nicht.

Unsicherheit führt zu einem erhöhten Schutzbedürfnis

Schon jetzt werden erste Spekulationen darüber getroffen, wie sich die Weltwirtschaft nach der Corona-Pandemie verändern wird. Eine dieser Annahmen unterstellt Menschen einen Wunsch nach Schutz, wenn sie sich verunsichert fühlen. Dieser Standpunkt würde aus ökonomischer Sicht bedeuten, dass der Wunsch nach Sicherheit auch für Unternehmen zunimmt und hierfür sogar Abstriche beim Wachstum oder der Effizienz in Kauf nimmt. Schließlich mussten in den vergangenen Wochen ganze Volkswirtschaften erfahren, was es bedeutet, zu sehr von anderen Personen oder Unternehmen abhängig zu sein.

Deshalb werden zahlreiche Firmen zunehmend darauf bedacht sein, mit mehr konkurrierenden Zulieferern zu kooperieren – bestenfalls mit Ansprechpartnern aus Ländern, in denen keine größeren politischen Risiken bestehen. Dadurch werden sich zwar Lieferketten verkürzen. Allerdings wird die Effizienz in Mitleidenschaft gezogen. Somit tritt eine Form der Deglobalisierung ein, die für Exportnationen wie Deutschland gewiss nicht ungefährlich ist.

Tausende deutsche Unternehmen müssen sich nach der Krise umstrukturieren

Die Corona-Krise hat Tausenden an deutschen Unternehmen stark zugesetzt. All die Firmen, die die Krise überstanden haben, müssen von ihren Reserven zehren und neues Eigenkapital bilden. Die Unternehmen sind gezwungen zu sparen und werden deshalb im Zweifelsfall weniger Geld investieren. Diese Entwicklung hemmt das Wachstum. Das Streben nach Sicherheit steht im Vordergrund. Doch das ist längst nicht das einzige Problem.

Weiterhin werden sich ausufernde Staatsschulden zunehmend als Belastung erweisen. Um einen wirtschaftlichen Absturz einzudämmen, griffen Regierungen drastisch in den Kapitalmarkt ein.

Zum ersten Mal seit vielen Jahren muss der Bundeshaushalt Deutschlands Defizite in Kauf nehmen.

Ermittlungen des Internationalen Währungsfonds zufolge könnten sich die Staatsschulden im Jahr 2020 weltweit von 61 auf 66 Billionen Dollar erhöhen. Solche Dimensionen nahmen noch nicht einmal die Folgen der Finanzkrise an.

Eine Rückkehr zur Sparpolitik ist sehr wahrscheinlich

Dennoch haben sich Regierungen in Krisenzeiten genau so verhalten, wie es das makroökonomische Lehrbuch für Wirtschaftseinbrüche aufzeigt. Doch dieser Entwicklung sind Grenzen gesetzt. Eine Wende darf keineswegs zu früh eingeleitet werden. Andernfalls droht ein Rückfall in die Rezession.

Allerdings sind Regierungen gezwungen, zu sparen. Somit wird das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Nationen aufrechterhalten. Vermutlich wird es nicht mehr lange dauern, bis sich betroffene Staaten für eine Rückkehr zur Sparpolitik aussprechen. Dabei ist es sehr wahrscheinlich, dass andere Investitionsprojekte – darunter klimapolitische Maßnahmen – in naher Zukunft unberücksichtigt bleiben.

Niedrige Zinsen und Inflationsraten

Legen nach der Corona-Krise allerdings Privathaushalte, Unternehmen sowie der Staat einen Sparkurs ein, sind niedrige Preise und eine geringe Nachfrage die logische Konsequenz. Deshalb werden sich die Inflationsrate sowie Zinsen in nächster Zeit auf einem niedrigen Niveau bewegen.

Sorgen einer drohenden Inflation sind deshalb vermutlich unbegründet. Außerdem wird sich zeitnah in unserer Gesellschaft ein Trend zur stärkeren Digitalisierung einstellen. In Zeiten wie diesen erfahren Millionen an Menschen, welche Optionen das Internet heutzutage bietet. Neben den Vorteilen des Homeoffice werden viele Geschäftsleute bemerken, wie einfach sich eine Dienstreise durch eine Videokonferenz ersetzen lässt. Diese Erfahrungen können sich nachhaltig auf den zukünftigen Arbeitsmarkt auswirken.

Ein zunehmender Trend zur Digitalisierung

Die Wirtschaft wird nach der Corona-Krise noch digitaler ausgerichtet werden (Nach der Corona-Krise: Digitalwirtschaft stellt sich auf Wachstumsschub ein). Ergänzend ist ebenfalls davon auszugehen, dass die Wirtschaft langsamer floriert und stärker vom eigenen Staat abhängt. Aktuell lässt sich nur darüber mutmaßen, ob die aktuell bestehende Globalisierung starke Rückschritte erleiden wird.

Doch im Gegenzug beweist das Coronavirus, dass globale Probleme ebenfalls globaler Lösungen bedürfen.