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Mit essbaren to-go-Verpackungen umweltfreundlich in die Zukunft

Essbare to go Verpackungen
Mit essbaren to-go-Verpackungen umweltfreundlich in die Zukunft

In der Lockdown-Zeit haben Lieferdienste Hochkonjunktur. Von technischen Geräten über Bekleidung bis hin zu Mahlzeiten: Der Lieferdienst-Markt erlebt aktuell einen großen Boom. Wer sich zukünftig Speisen liefern lässt, wird Teil eines beeindruckenden Wandels.
Schrittweise werden to-go-Verpackungen aus Styropor verschwinden.

Produkte aus Einwegplastik sind ab Juli deutschlandweit verboten

Aus Einwegplastik hergestellte Erzeugnisse dürfen spätestens ab dem 3. Juli dieses Jahres innerhalb der EU nicht mehr verkauft werden.

Diese Verbote beziehen sich beispielsweise auf Kaffeebecher, Wattestäbchen, Besteck, Teller, Schalen, Rührstäbchen oder Strohhalme.

Was im ersten Moment wie eine Einschränkung klingt, soll im Gegenzug die Pforten für einen neuen Markt öffnen. Das Potential für riesige Absatzmöglichkeiten ist vorhanden.

Produkte aus Einwegplastik
Produkte aus Einwegplastik sind ab Juli deutschlandweit verboten

Milliarden an Kaffeebechern – allein in Deutschland

Ein gutes Beispiel sind Kaffeebecher, von denen allein Deutsche im Schnitt 320.000 Stück pro Stunde verbrauchen. Rechnungen des Bundesumweltministeriums zufolge erhöht sich der Anteil jährlich auf 2,8 Milliarden Euro. Zu diesem Anteil werden jährlich noch einmal 1,3 Milliarden weiterer Kunststoffdeckel addiert. Diese Gefäße müssen ab Sommer 2021 aus anderweitigen Materialien als Einwegplastik produziert werden.

Dieses Verbot ist nicht nur eine massive Entlastung für die Umwelt. Ob am Strand, in Parkanlagen oder auf grünen Wiesen – überall liegen die Kaffeebecher herum, die aufgesammelt werden müssen. Es fallen Mikropartikel ab, die der Wind fortträgt. Diese Mikropartikel gelangen in Gewässer und werden dort von Fischen oder Vögeln gefressen. Letztendlich landen die Mikropartikel durch diesen Kreislauf auch wieder auf dem Speiseplan der Menschen.

Kaffeebecher Einwegplastik
Milliarden an Kaffeebechern – allein in Deutschland

Mikropartikel gelangen auch zu Menschen zurück

Informationen australischer Wissenschaftler zufolge nehmen Menschen auf diese Weise bis zu fünf Gramm an Mikroplastik pro Woche zu sich.

Dieser Anteil entspricht in etwa dem Gewicht einer Kreditkarte.

Entsprechende Ergebnisse basieren auf einer Untersuchung, bei welcher Daten zu Mikroplastik ausgewertet wurden. Hierbei wurde nachgewiesen, dass sich die kleinen Teilchen beispielsweise in Schalentieren, Bier, Salz, im Trinkwasser oder in der Atemluft befinden.

Essbares Besteck

Ein Verbot von Einwegplastik ebnet in der EU den Weg für neue Märkte. So konzentrieren sich in Göttingen beispielsweise zwei Jungunternehmer auf die Herstellung von essbarem Besteck. Einer dieser Visionäre ist der 25 Jahre alte Inder Hemant Chawla, der bei einem Festival in seinem Heimatland Brot als Ersatz für einen Löffel gereicht bekam. In diesem Moment war die Idee geboren, Besteck aus Brotteig zu produzieren.

Heute ist Chawla gemeinsam mit Geschäftspartnerin Juliane Schöning in diesem Business aktiv, die er in Kassel im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres kennenlernte. Das Business-Duo hat sich mittlerweile auf den Vertrieb von essbaren Schüsseln, Tellern, Strohhalmen und Löffeln spezialisiert. Deren Start-Up Kulero produziert das essbare Besteck bei einem Keksproduzenten in Baden-Württemberg sowie in Westindien.

Interessierte Abnehmer aus unterschiedlichen Bereichen

Zu den gängigsten Abnehmern gehören mehrere Discounter, Psychatrien, Gefängnisse, Restaurants oder Hotels. In Gefängnissen oder Psychatrien besteht ein besonders großer Markt, da viele Insassen und Patienten dazu tendieren, sich mit Besteck aus Plastik oder Metall selbst zu verletzen.

Brot-Besteck steht in diesen Einrichtungen nicht nur für Nachhaltigkeit, sondern auch für Sicherheit.

Das gleiche Ziel – eine strikte Reduzierung von Abfall – verfolgt ebenfalls das Unternehmen Füllett. Diese Firma stellt Geschirr sowie to-go-Verpackungen aus Brot her. Als Zutaten setzen Mitarbeiter des Betriebs Salz, Rapsöl, Wasser, Weizen- und Roggenmehl ein. Dem Hersteller ist es dabei wichtig zu betonen, dass all diese Zutaten biologisch produziert werden.
In Norddeutschland sind mittlerweile ebenfalls Forscher und Forscherinnen ansässig, die essbare Verpackungen aus Algen herstellen. Namhafte Kooperationspartner dieses Projekts sind der Fischhändler Nordsee, die Hochschule Bremerhaven und das Alfred-Wegener-Institut.

Biologisch abbaubare Verpackungen aus Algen oder Seegras

In Indonesien sind aus Algen hergestellte Verpackungen mittlerweile schon gang und gäbe. Das Unternehmen Evoware ist auf eine Herstellung biologisch abbaubarer Alternativen zu Einwegplastik-Erzeugnissen aus Seegras oder Algen spezialisiert.
Mit diesen Waren soll nicht nur der Lebensunterhalt von Meeresalgenbauern aufgebessert werden. Zugleich sind die Erzeugnisse ebenfalls essbar und kompostierbar.